Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 57 (sequence 60)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7865-3484014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Weizmann 57 Feldzug zu einem beträchtlichen Teil dem Umstand zuschrieb, daß er, wie er ■sich ausdrückte, „an einer Front geführt wurde, dessen Geographie mir seit meiner Kindheit geläufig war". Sogar in dem Entwurf des Mandats kam dieses Motiv klar zum Ausdruck, in dem offenbaren Wunsch britischer Staatsmänner, als das Gebiet für Palästina das biblische Palästina zu erfassen — „von Dan bis Beerseba". Dieses. Gefühls-Motiv wurde während des Krieges und noch mehr unmittelbar nach dem Kriege noch verstärkt durch den Einfluß, den die Ideen von „Freiheit" und „fair play'*, das ist vom ehrlichen Spiel der Kräfte, auf die britische öffentliche Meinung ausüben. Das Gewissen der Welt war durch das Entsetzen des großen Krieges zutiefst aufgerührt worden. Wenn eine Wiederholung einer solchen Katastrophe vermieden werden sollte — so fühlt man —, dann war es unerläßlich, die Grundursachen aller Unruhe und Erregung zu beseitigen, sogar dort, wo sie nur in einer latenten Form existierten. Präsident Wilsons 14 Punkte, Ideen wie die: „der Demokratie einen sicheren Platz in der Welt zu schaffen", waren zu jener Zeit mehr als bloße Losungen und Schlagworte; sie waren tief verankert in der Uberzeugung jener Staatsmänner, die damals die Herren der Welt zu sein schienen oder es wirklich waren. Diese Männer waren geleitet von höchsten ethischen Motiven. Tikkun Haolam — Weltverbesserung — war das charakteristische Zeichen der Zeit. So hohe Ziele konnten nur erreicht werden, wenn alle die störenden Elemente in der großen Welt beseitigt, das Gegensätzliche ausgeglichen und in einen Zustand der Harmonie und des Gleichgewichts gebracht wurde. So kam es, daß sich die Aufmerksamkeit ethnischen Gruppen und kleinen Völkern zuwandte, die von größeren und mächtigeren Nationen bedrückt waren — und eine dieser Gruppen waren die Juden, ■die unter verzweifelt abnormalen Bedingungen lebten und litten. Das jüdische Problem, besonders soweit es die großen Massen der unterdrückten Judenheit im Osten und Südosten Europas anging, wurde so zu einer Angelegenheit von ernster Bedeutung. Wenn eine ideale Welt geschaffen werden sollte, dann war auch um das peinliche jüdische Problem nicht herumzukommen, und ein Versuch einer rationellen Lösung mußte unternommen werden, es wäre sonst ein schwerer Schatten zurückgeblieben auf dem Bilde einer idealen Welt. Die alte Abrechnung mit dem jüdischen Volke mußte mit Rechtlichkeit und Billigkeit geordnet werden, wenn die neue Welt mit reinen Büchern beginnen sollte, das hieß, man mußte uns Juden eine Gelegenheit bieten, ein normales und eigengeartetes Leben zu begründen. Eine dritte Motivenreihe trägt ausgesprochenen Nützlichkeits-Charakter: Dazu gehört der in den Jahren 1916—1917 sicherlich vorherrschende Wunsch, die Sympathien der Weltjudenheit und besonders der amerikanischen Judenheit zu gewinnen, und in dieselbe Kategorie gehört die dauernde strategische Bedeutung, die man Palästina zuwies als einem wichtigen Glied in der Kette des britischen Reiches. In diesem Gedankengange erschien es für Großbritannien notwendig, irgendwo in den an den Suez-Kanal angrenzenden Gebieten eine Basis zu besitzen, auf die es sich stützen konnte, um die Verkehrswege des Reiches frei zu halten. Ich möchte nicht entscheiden, welches der drei Motive das ausschlaggebende gewesen ist, aber ich glaube doch, daß das Nützlichkeitsmotiv erst in letzter Reihe kam. Jedenfalls war es so im Jahre 1917. Dafür gibt es einen Erfahrungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.