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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 56

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 56 (sequence 59)
Language
German, English, Hebrew
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2. Kongreß-Sitzung: Referat über zionistische Politik litischem sowohl als auf finanziellem Gebiete. In allen Teilen der Welt hat sich die Lage der Judenheit wesentlich verschlimmert, und schwerer als alle anderen sind wir durch die weltwirtschaftliche Depression betroffen worden. Unser Aufbauwerk in Palästina hat sich bis zu einem gefährlichen Grade verlangsamt, und der Kongreß sieht sich dem ernsten Problem gegenübergestellt, Mittel und Wege zu suchen, um die Grundfesten und die Struktur des jüdischen nationalen Heimes zu schützen, sie auszubauen und sicherer zu gestalten. Bevor ich jedoch in meinem Berichte — der zugleich ein Abschiedsbericht ist — mich eingehender mit der gegenwärtigen Lage beschäftige, möchte ich mit Ihrer Erlaubnis in einer Art historischen Rückblicks mich der Vergangenheit zuwenden. Indem ich diesen Versuch unternehme, fühle ich — wie jeder von uns fühlen muß, für den sich, seit er denken kann, Zionismus und Leben zu einer unlöslichen Einheit verbunden haben — daß es keine leichte Aufgabe ist, jene unpersönliche Distanz, jene objektive Stellung zu den Dingen und Geschehnissen zu finden, wie sie der Nur-Historiker oder Nur-Politiker unschwer finden mag. Man muß sich erst von der Welt zionistischer Emotion loslösen und sich dann ganz in die kühle Atmosphäre jener anderen Welt versetzen, die man Realpolitik nennt. Und wer vermöchte das so ohne weiteres? Dennoch will ich es versuchen. Denn ich denke, daß aus der richtigen Abschätzung der Vergangenheit nützliche Schlüsse für unsere unmittelbare Zukunft gezogen werden können. Und ich muß Sie nur um Nachsicht bitten, wenn ich für diese historische Analyse mehr von Ihrer Zeit in Anspruch nehmen muß, als ich eigentlich möchte, und noch mehr, wenn ich mich zur Darstellung einer Sache, die uns alle zuinnerst bewegt, der nüchternen Ausdrucksweise bedienen muß, die nun einmal das Instrument politischer Diskussion ist. DIE MOTIVE, DIE ZUR BALFOUR-ERKLÄRUNG GEFÜHRT HABEN. Ich möchte Sie zunächst bitten, daß Sie sich in Gedanken zurückversetzen in die Zeit zwischen 1916 und 1921, als das, was seither die Mandatspolitik wurde, sich noch im Stadium der Formgebung befand, und zunächst überlegen, welches denn eigentlich die Motive waren, die britische Staatsmänner dazu führten (in Fühlungnahme mit den Staatsmännern der Alliierten und der ihnen angeschlossenen Mächte), im Jahre 1916/17 die Balfour-Deklaration zu formulieren und später ein Mandat für Palästina, das sich auf diese Deklaration gründete, 2u übernehmen. Was war die Grundlage des britischen Interesses an Palästina? Denn dieses britische Interesse — sogar am Zionismus — war nicht ein Kriegserzeugnis. Es war eine Tradition lange vor 1914. Es ist unnötig, an den Schutz zu erinnern, den britische Konsuln zu allen Zeiten den Juden Palästinas angedeihen ließen, oder an das Angebot, das Joseph Chamberlain im Jahre 1903 machte. Ich glaube, daß das Hauptmotiv, das der Balfour-Deklaration zugrunde liegt, das gleiche ist, das zu den früheren Sympathie-Kundgebungen für die Juden geführt hat: es ist ein Gefühlsmotiv, das seine Wurzeln in einer tiefen Verbindung mit der Bibel hat. Vielen Engländern der Generation Lord Balfours und sogar der späteren Generation war Palästina von ihrer frühesten Jugend an ein vertrautes Land — vertraut und zugleich erfüllt von Mysterium und Romantik. Jeder Ortsname war ihnen bekannt von Kindheit an, und mit jedem verbanden sich alte und geheiligte Assoziationen. Ich erinnere mich zum Beispiel, von Lloyd George gehört zu haben, daß er sein Interesse an dem Palästina-

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