Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 51)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--7856-3484005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 i. Kongreß-Sitzung: Referat über die wirtschaftliche Lage in Palästina jüdischen Kindern fast ganz verschwunden ist. Die durch die Freigebigkeit von Nathan Straus eröffneten Gesundheitszentren in Tel Aviv und Jerusalem geben hygienische Volksbelehrung. Die Institute für Mutterschaftsberatung in Tel Aviv und die Arbeit der Hadassah haben dazu beigetragen, daß die Säuglingssterblichkeit sehr zurückgegangen ist. Sie nähert sich in Tel Aviv den Prozentsätzen der wegen ihrer geringen Säuglingssterblichkeit bekannten Länder und beweist, daß auch im Orient die ungeheure Säuglingssterblichkeit durch geeignete Mittel herabgesetzt werden kann. Ich habe bis jetzt von den Schwierigkeiten gesprochen, die wir durch unsere finanzielle Lage gehabt haben. Wir hatten auch Schwierigkeiten durch die Kommissionen, welche nach Palästina geschickt wurden. Ich rede hier in erster Linie von Sir John Hope Simpson> der die Aufgabe hatte, die Möglichkeit der Hebung der Landwirtschaft zu untersuchen. Sein Bericht war bekanntlich in vieler Beziehung sehr ungünstig für uns. Wir waren in der Beantwortung des Berichtes dadurch im Nachteil, daß zwei seiner Hauptquellen uns erst spät zugänglich wurden. Wir wußten, als der Bericht erschien, nichts über die Vermessung Palästinas vom Flugzeug aus, auf die Sir John Hope Simpson seine Berechnung des kulturfähigen Bodens stützt, und wir kannten nicht den Bericht der Johnson-Crosbie-Kommission, aus der Simpson einen großen Teil seiner Angaben nimmt. Als wir diese beiden Quellen kennen lernten, konnten wir feststellen, daß der Bericht Simpsons in seinem ungünstigen Teil auf Annahmen und Auslegungen beruht, die in keiner Weise einer Kritik standhalten. Sie werden ein Heft vorgelegt bekommen „Die statistischen Grundlagen des Berichts Sir John Hope Simpsons", in welchem wir nachweisen, daß Simpson keinerlei Recht hatte, die anbaufähige Fläche Palästinas, die bisher mit 12 3^ Millionen Dunam berechnet wurde, auf 6V2 Millionen zu reduzieren. Ebenso hatte er kein Recht zu der Annahme, daß es in den Dörfern Palästinas 29,4 Prozent ländlose Araber gäbe, wobei er mehr oder weniger deutlich andeutet, daß viele dieser Araber durch die Landkäufe der Juden landlos geworden seien. Es ist uns gelungen, festzustellen, daß diese Araber zum größten Teil Pächter auf dem Boden von Großgrundbesitzern sind. Landwirte als Pachter gibt es überall in der Welt. In England ist die Zahl der Pächter größer als die der Bodeneigentümer. Ich glaube,, wir haben durch die Broschüre diese Simpson-Legende ein für alle Mal zerstört. Anläßlich der Untersuchungen von Hope Simpson haben auch wir besondere Untersuchungen vorgenommen und haben festgestellt, daß es allein in der Küstenebene und der Jordanebene Boden genug gibt, um bei richtiger landwirtschaftlicher Bearbeitung des Bodens über 50.000 Familien landwirtschaftlich neu anzusiedeln, ohne daß die bisherigen Bearbeiter verdrängt werden müßten. Wir wollen die Araber nicht verdrängen. Wir haben Verständnis für die Lage der arabischen Pächter; wogegen wir uns wenden, ist, daß die Frage der Pächter zum Vorwand gemacht wird, um den freien Bodenkauf in Palästina einzuengen und jeden Kauf von der diskretionären Entscheidung eines Beamten abhängig zu machen. Wir sind bereit, mit der Regierung darüber zu verhandeln, daß durch unsere Kolonisation in Palästina die bisher auf dem Boden sitzenden Bearbeiter nicht beeinträchtigt werden. Natürlich muß hierbei in Betracht gezogen werden, daß die Bodenbenutzung in Palästina nicht so bleiben kann, wie sie heute ist. Das Land muß aus dem primitiven Stadium der Landwirtschaft zu intensiven Methoden übergehen. Wenn Nomaden ihre Herden auf Boden weiden wollen, der