Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 46 (sequence 49)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7854-3484003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 i. Kongreß-Sitzung: Referat über die wirtschaftliche Lage in Palästina durch hohe Zolltarife den Absatz palästinensischer Bananen unmöglich gemacht hatte, andere Märkte für dieselben gesucht und sie, zum Beispiel in Griechenland und Rumänien, gefunden. Unsere landwirtschaftliche Versuchsstation hat in der Schädlingsbekämpfung Bedeutendes geleistet, sie hat zum Beispiel, als die. Mäuse, die im Jahre 1930 die Ernte im Emek vernichteten, auch im Jahre 1931 die Ernte zu zerstören drohten, zusammen mit der palästinensischen Regierung Mittel dagegen ergriffen, und es ist dadurch gelungen, den Schaden fast ganz abzuwenden. Die Versuchsstation bemüht sich auch, durch Probesendungen von allen landwirtschaftlichen Produkten nach verschiedenen Ländern neue Märkte zu erschließen. Sie erfreut sich dabei der Mithilfe des Imperial Marketing Board in England. Sie steht auch in Verbindung mit den besten englischen Versuchsstationen und tauscht mit ihnen Erfahrungen aus. Mit Hilfe des Emergency-Fonds ist in Palästina die Kolonie Beer Tuwia aufs neue, und wie ich glaube, auf gesünderer Grundlage aufgebaut worden. Ebenso werden Artuf und Moza wieder instandgesetzt. Eines der wichtigsten Geschehnisse in unserer Arbeit im letzten Jahre war es, daß es uns gelungen ist, mit unseren Siedlern die ersten Verträge abzuschließen, durch welche sich die Siedler verpflichten, in einer Reihe von Jahren die Beträge, die wir ihnen geliehen haben, mit mäßigen Zinsen abzuzahlen. Es ist uns lange Zeit vorgeworfen worden, daß wir den Abschluß solcher Verträge verzögert haben. Ich gebe zu, daß wir ihn verzögert haben, aber es lag dieser Verzögerung die richtige Überlegung zugrunde, daß es nicht möglich ist, den Siedlern Lasten aufzuerlegen, bevor die Wirklichkeit gezeigt hat, welche Lasten sie tragen können. Bei einer Kolonisation, die erst im Jahre 1921 begonnen wurde, auf neuen Grundlagen, mit neuen Produkten und mit neuen Methoden, war es unmöglich vorauszusehen, welche Beträge der Siedler nach Abzug seines Lebensminimums für Rückzahlungen übrig haben wird. Daß wir gut daran getan haben, nicht sofort die Verträge abzuschließen, beweist das Beispiel anderer Länder, wie etwa Griechenlands. In Griechenland, wo die Kolonisation im Jahre 1924 durchgeführt wurde und wo von den Siedlern eine Sprozentige Verzinsung des Kapitals und eine Rückzahlung in 20 Jahresraten gefordert wurde, hat sich diese Forderung als absolut undurchführbar erwiesen. Die Siedler haben im Laufe der sieben Jahre von 1924 bis 1930 insgesamt nur eine lächerlich kleine Summe, nur 4,5 Prozent auf Kapital und Zinsen zurückgezahlt. Die griechische Regierung hat sich schließlich veranlaßt gesehen, alle bis Ende 1930 aufgelaufenen Zinsen überhaupt zu streichen und sogar die 4,5 Prozent, die bis dahin gezahlt wurden, auf die neuen Abzahlungen in den nächsten Jahren zu verrechnen und zugleich den Zinsfuß von 8 Prozent auf 3 Prozent herabzusetzen. Ähnlich ist es in England mit der Kolonisation gegangen, wo auch die ursprünglichen Bedingungen bald geändert werden mußten. Indem wir nicht sofort die Höhe der Rückzahlungen vereinbarten, sondern erst dann die Verpflichtungen der Siedler bestimmten, als wir wußten, daß sie mit ihren Kräften übereinstimmen, sind wir den richtigen Weg gegangen. Wir werden von den Darlehen, die wir den Siedlern gegeben haben, nicht die ganze Summe zurückbekommen. Wir werden wahrscheinlich ein Drittel unserer Darlehen verlieren. Aber das ist in der ganzen Welt der Fall und hängt mit dem Rückgang der Preise zusammen. Wir wollen den Siedlern ihre Anlagen nicht zum Kostenpreise, sondern zum heutigen Werte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.