Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 47)
- Language
- German, English, Hebrew
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44 Kongreß-Sitzung: Referat über die wirtschaftliche Lage in Palästina vor uns, und dieser unser "Weg ist von manchen Schwierigkeiten umgeben. Viele Hindernisse müssen noch überwunden werden. Der politische Horizont hat sich heute gegenüber früher merklich verdunkelt. Als ein Volk, welches Prüfungen zu bestehen vermochte, werden wir nicht zurückweichen. Der Glaube an die Ewigkeit Israels, an den Sieg unserer Idee, sowie das Wunderwerk, welches durch unser Volk in Erez Israel geschaffen worden ist, werden unsern Willen stählen, das Werk fortzusetzen und unser Land aufzubauen. Auf Ihnen, den Vertretern des jüdischen Volkes, ruht die Verpflichtung, das Fundament unserer zionistischen Bewegung zu stärken, damit sie fest und unerschütterlich verankert bleibt in ihrer Idee und in ihrem Ziel. Möge dieser XVII. Kongreß die zionistische Bewegung einen guten Schritt vorwärts bringen und zum Segen werden für den Aufbau unseres nationalen Heims. Seien Sie in unbeugsamem Willen am Werke für unser Volk und unser Land! (Lebhafter Beifall.) REFERAT ÜBER DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE IN PALÄSTINA. Dr. ARTHUR RUPPIN (Mitglied der Exekutive — spricht deutsch): Als wir vor zwei Jahren, nach Gründung der Jewish Agency, Zürich verließen, hat wohl keiner von uns daran gedacht, daß die nächsten zwei Jahre uns Ereignisse bringen könnten, die sie zu Krisenjahren erster Ordnung machen würden. Den Unruhen in Palästina folgte der Tod Louis Marshalls, dann kam der Boykott der Araber gegen jüdische Waren; Ende 1929 war der Bankkrach in Amerika mit dem Gefolge der Weltwirtschaftskrise, welche die Juden als Wirtschaftspioniere härter traf als die anderen Völker. Im Jahre 1930 hatten wir eine Mißernte infolge des Auftretens von Feldmäusen; wir hatten die niedrigen Getreidepreise, die unsere jungen Siedlungen mit besonderer Heftigkeit trafen. Wir hatten den Kampf gegen Zolltarife benachbarter Länder, die die Einfuhr palästinensischer Produkte erschwerten. Außerdem hatten wir in den beiden Jahren nicht weniger als sechs Untersuchungskommissionen oder -Kommissare, sodaß das Land nicht zur Ruhe kommen kann. Der Erfolg aller dieser Ereignisse war eine Erschütterung des Vertrauens in die politische Haltung der Mandatarmacht, und dies zusammen mit den erwähnten wirtschaftlichen Momenten hatte einen außerordentlichen Rückgang unserer Einnahmen zur Folge. Als ich im Jahre 1929 nach vierjähriger Pause in die Exekutive wiedereintrat, lag uns ein bewilligtes Budget von 750.000 Pfund vor. Mit dem davon auf die Landwirtschaft entfallenden Betrag hoffte ich im Laufe von zwei Jahren nicht nur die Siedlungen im Emek zu konsolidieren, sondern auch mit einer Neukolonisation beginnen zu können. Diese Hoffnung verwirklichte sich jedoch nicht. Das zweite Jahr war womöglich noch schlechter als das erste; es ging, für den Keren Hajessod nur etwa eine Viertelmillion ein, ein Betrag, der fast um die Hälfte hinter den erwarteten Einnahmen zurücksteht. Ich bedaure, daß ich an diesem festlichen Abende Sie sofort mit finanziellen Problemen beschäftigen muß, aber ich denke, es ist meine Pflicht, Sie auf diese wichtigste Frage aufmerksam zu machen. Wir sind ja auch früher nicht verwöhnt gewesen und hatten niemals gefüllte Geldschränke hinter uns. Wir lebten immer von der Hand in den Mund. Aber es ist doch etwas anderes, von der Hand in den Mund zu leben, als heute von dem zu leben, was man morgen zu erhalten hofft und schließlich doch nicht erhält.