Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 46)
- Language
- German, English, Hebrew
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Levaillant, Cohn 43 Vor diesem Gebäude brennen heute auf steinernen hohen Kandelabern zwei mächtige Feuer. Sie leuchten in die stille Nacht hinaus den Zionisten zum Gruße. Zwei Fackeln sind sie vergleichbar. Die eine wirft zitternde Lichter in das Dunkel der Vergangenheit und läßt ein Volk erstehen, das, heimatlos, seine Heimat nie aufgab. Die andere leuchtet hinaus in die Zukunft. Sie birgt die Hoffnung in sich auf Lösung der Judenfrage im Sinne des Judenstaates und des Völkerfriecens (Stürmischer Beifall). Und zwischen beiden Fackeln liegt das Gebiet der Arbeit der Kongresse. Vor drei Wochen meldete die Presse in wenigen Zeilen, die Schiedskommission habe die Klagemauer den Mohammedanern zugesprochen. Der Zugang zur Klagemauer stehe den Juden offen. Den Nachsatz habe ich sinnend nachgelesen. Der Zugang zur Klagemauer steht den ]uden offen. Darin liegt eben die große Tragik des Judentums, daß ihm die Weltgeschichte seit tausenden von Jahren einzig und allein die Klage läßt. Wer wird endlich diese Klage prüfen, wer sie für begründet erklären. Nicht Weltgewissen, nicht Weltgericht; die Tat ist Euer, das Richtamt Gottes. Inzwischen erfüllt der Kongreß seine Pflicht in der gewaltigen Arbeit, die ihm obliegt. Diese, Ihre Arbeit, meine Damen und Herren, wandelt die jüdische Ideologie in die Tat um. Einer der größten Söhne unserer Stadt Basel hat einst gesagt: Arbeit ist des Lebens Leichterwerden, Arbeit ist die Erlösung vom Leiden und in ihr wollen wir im Sterben noch erglühen, so wie die Abendsonne erglüht, wenn sie untergeht. Seien Sie uns in Ihrer schöpferischen Arbeit willkommen! Möge ein gütiger Stern Ihrem Kongresse leuchten (Lebhafter Beifall). Dr. MARKUS COHN (Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes — spricht hebräisch): Es ist mir die Aufgäbe zuteil geworden, im Namen des schweizerischen Zionistenverbandes, im Namen des Hauptbureaus des Jüdischen National-Fonds in der Schweiz, im Namen der Schweizer Misrachi-Landesorganisation und insbesondere im Namen der Arbeitsgemeinschaft aller zionistischen Vereine in Basel Sie alle, die Sie sich aus Nah und Fern in der alten Kongreß-Stadt versammelt haben, herzlich willkommen zu heißen. Groß ist unsere Freude, daß Sie Ihren Kongreß wiederum in unserer Mitte abhalten und daß wir somit wiederum Zeugen dieser imposanten jüdischen Zusammenkunft in unserer Stadt sein dürfen. Von Basel aus wurde erstmals der Ruf verkündet: Das jüdische Volk lebt. Der Name dieser Stadt ist mit dem Programm des Zionismus für immer verbunden. Hier stand am reißenden Rheinstrome der Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, und wendete seinen Blick nach dem fernen Osten hin. Und er träumte von der Zukunft des jüdischen Volks, von der Renaissance Israels und seiner Erlösung. Noch heute scheint es, als würden seine Worte zu uns dringen: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen!" Hier in der Schweiz, dem klassischen Lande der Freiheit und des Friedens, haben unsere ersten Führer viele Freunde gefunden, deren Anteilnahme an unsern Bestrebungen von großem Nutzen für die Bewegung war. Herzls Traum beginnt sich zu verwirklichen. Die künftige jüdische Gemeinschaft in Erez Israel hat in ihrem Keim sich dort zu formen begonnen. Jedoch liegt noch ein weiter Weg