Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 39)
- Language
- German, English, Hebrew
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36 i. Kongreß-Sitzung: Eröffnung intensiver. Mit noch größerer Not kämpft leider das < Edelste und Geistigste in unserer Renaissance-Arbeit: unsere nationale Literatur, die in Erez Israel einen wunderbaren Aufschwung genommen hat. Diese fundamentale Arbeit muß gefördert werden. Hoher Kongreß! An Verhandlungsstoff wird es Ihnen sicherlich nicht fehlen. Eine Fülle von Themen bietet sich dar, und die Debatten werden wohl zur Vertiefung der Erkenntnis der Probleme beitragen. Wir brauchen nach außen absolute Sicherheit. Die Ereignisse, die vorgekommen sind, dürfen nie mehr wiederkommen. Wir brauchen die Verwirklichung: des Nationalheimes, nicht nur durch platonische Erklärungen und vage idealistische Versicherungen, die wir auch sehr hoch einschätzen. Aber wir brauchen die Begünstigung durch die Tat. Nach innen harren unser außerordentlich große und schwere Aufgaben. Im Zentrum nationalen Schaffens steht der jüdische Arbeiter-Chaluz. Nur der Geist der Denker vereint mit der Kraft des arbeitenden Erez Israel wird uns weiterbringen. Wir müssen den Chaluz wieder in Bewegung setzen. Die Keren Hajessod- Arbeit ist durch die Weltkrise schwer geworden. Wir müssen die Anstrengungen verhundertfachen. Wir benötigen Eisbrecher. Für unsere Arbeit brauchen wir Boden. Dies hängt wesentlich mit dem Jüdischen Nationalfonds zusammen. Diesem ältesten fundamentalen Institut biblischer Tradition und sozialer Gerechtigekit müssen wir viel größere Arbeit widmen. Das Problem des Mittelstandes wird Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Wer nicht in Sonderinteressen aufgeht, sondern den volkswirtschaftlichen Zusammenhang im Auge behält, wird sicherlich nicht verkennen, daß ein gesunder Mittelstand für das Gedeihen unserer Volkskraft nötig ist. Für die Erreichung all dieser Zwecke haben wir Zuversicht in unsere Organisation, die aufrechterhalten und vergrößert werden muß. Wir dürfen jetzt weniger als je unsere Stoßkraft in Familienstreitigkeiten aufreiben. Niemand wird ernste Kritik unterschätzen. Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung, vorurteilslose Wertung der den verschiedenen Richtungen innewohnenden Kräfte,, aufrichtiges Bestreben, diese Kräfte zum Heile unserer Gesamtheit zusammenzufassen! Hoher Kongreß! Aus dem vieljährigen Kampfe, in dem der Zionismus steht* ■sollten wir nachgerade gelernt haben, daß der Weg zum Erfolg ein außerordentlich schwerer ist. Man hört immer die gerechtfertigten Klagen über die Rückschläge, mit dem Lob der guten alten Zeit, die verklärt in der Entfernung, wie ein verlorenes Paradies, hinter uns liegt. Aber eines muß gesagt werden: Wenn jene Männer, die tatsächlich vor einer eisernen Mauer standen, den Mut nicht sinken ließen, so dürfen wir auch die Dornen unseres Kampfes nicht scheuen, und wer, von tiefer zionistischer Überzeugung durchdrungen, in unsere Reihen getreten ist, von dem darf billig verlangt werden, daß er auch das Ungemach des Verteidigungskampfes auf sich nehme, welches doch nur eine Vorschule für die schwierigere Aufgabe ist, die uns noch in Zukunft bis zur endgültigen Erreichung unserer Endziele erwartet. Wehleidigkeit ist in nationalen Kämpfen nicht am Platze, am allerwenigsten ziemt sie sich für die Pfadfinder der Zukunft. Wo ein kräftiges, nationales Leben pulsiert, sind rauhe Berührungen nicht zu vermeiden, und wir haben