Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 27 barkeit der heiligen Stätten und religiösen Denkmäler des Christentums und des Islams als einen unserer kardinalsten Grundsätze erklärt. Respekt für religiöse Pietät und Betätigung in den mannigfaltigsten herkömmlichen rituellen Gestaltungen und Kultusformen anderer Religionen entspringt der ganzen Denkart, Gefühlsrichtung und psychischen Einstellung des Judentums. Unser unsterblicher Führer Theoder Herzl hat mehrfach erklärt, daß der Wiederaufbau der Heimstätte sich räumlich außerhalb der geheiligten Sphäre („hors de la sphere sacree") vollziehen werde. Das Gesamtgebiet von religiösen Institutionen, Einrichtungen und Inhalten in Palästina wird von uns unter demselben Gesichtspunkt der Heiligkeit betrachtet wie unsere eigenen, für die wir von den Anderen dieselbe Verhaltungsweise des Respekts beanspruchen. All das ist bekannt und selbstverständlich. Aber die Hetzer kümmern sich sehr wenig um die "Wahrheit und Wirklichkeit. Sie stellen die Dinge so dar, wie es ihnen momentan für ihren agitatorischen Zweck paßt. Der Haß variiert seine Vorwände, nie seinen Zweck. Im Grunde bleibt es sich auch gleich, ob das sinnlose Märchen nur ein Vorwand oder die eigentliche Gelegenheitsursache war. Der Zweck wurde erreicht: der Pöbel wurde aufgehetzt. Wohl gehörten zu dem Pöbel nicht die achtbaren, friedliebenden Schichten der arabischen Bevölkerung. Letztere haben zusammen mit uns die verbrecherischen Exzesse verdammt. Nur Elemente primitiven Barbarentums und wilder Anarchie sind dem Rufe gefolgt. Närrische Klatschereien und haarsträubende Verleumdungen, an denen kein einziges wahres Wort war, haben diese Elemente in einen Paroxysmus wütender Rachsucht hineingetrieben. So ist der Überfall mit all seinen Schrecken zustandegekommen. Der Zweck, den die Urheber verfolgten, ist vollkommen durchsichtig. Sie wollten der Welt zeigen, daß die arabische Bevölkerung die Bedrückung seitens der Juden nicht mehr aushalten kann und deshalb zu Gewalttätigkeiten gegriffen hat. Quasi ein Akt der Verzweiflung — also sind die Juden schuld. All das ist nach „berühmten Mustern" gemacht worden. Wer kennt nicht diese Methode? Die Überrumpelung und der offensichtliche Plan einer totalen Zerstörung kosteten viele teure Menschenleben und viel kostbares Gut. Sie scheiterten hauptsächlich an der heldenmütigen Selbstwehr unserer Arbeiterschaft und unserer Jugend. Ein schwacher Trost, denn unser Volk sucht seine Lorbeeren nicht auf diesem Gebiete; aber in der Not der Stunde eine Lektion für die Anderen, daß wir keine leichte Beute für mord- und raublustiges Gesindel sind. Die ruhige, sichere, würdige Haltung des ganzen Jischuw zeugte von einer großen moralischen Kraft. Wir wollen nicht die Wunden aufreißen, sondern sie durch Zeit, Besonnenheit und Seelenstärke vernarben lassen. Friedliche Entwicklung ist unser größtes Ideal. Nur diesem Ziele dient unser Rückblick auf die Ereignisse. Aber es muß festgestellt werden, daß diese Ereignisse der letzten Periode ihren Stempel aufgedrückt haben. Wir dürfen dies nicht vertuschen, wenn wir die gegenwärtige Situation verstehen wollen. Aus diesem Verständnis wollen wir ja auch die Konsequenzen für unsere Arbeitsmethode ziehen. Der Therapie muß die Diagnose vorangehen. Was ist seit jenen Ereignissen als unmittelbare Folge und als mittelbare spätere Folgenreihe geschehen? Ein Gemisch von Gutem und Bösem, von Versöhnung und Streit, Einigkeit und Trennung, Harmonie und Ausschließung.