Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 29)
- Language
- German, English, Hebrew
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i. Kongreß-Sitzung: Eröffnung — mit genauer Zeitangabe — voraussagen. „Finsternisse46 der Moral sind keine Sonnen- oder Mondfinsternisse, die im voraus berechnet werden können. Sie sind keine notwendigen kosmischen Naturerscheinungen. Wohl kann man sie im allgemeinen durch Kenntnis der Lage — und in diesem Falle leider auch auf Grund von Präzedenzen — vorausahnen, nie aber den Zeitpunkt ihres Eintrittes vorausbestimmen. Wäre eine präventive Seismographie für Pogrome mit vorheriger pünktlicher Zeitangabe möglich, dann könnten sie zu einem großen Teil überhaupt verhindert werden. Die Niederträchtigkeit eines Pogroms besteht eben in der Tücke der Überrumpelung. Der meuchelmörderische, trotz der Gewaltsamkeit feige Charakter eines Pogroms unterscheidet ihn eben ganz von einem offenen Kampfe. Die Tatsache, daß gewisse arabische Kreise gegen die Balfourdeklaration auftreten, war nie ein Geheimnis. Wohl steht nach unserer tiefen Uberzeugung eine solche Taktik im Gegensatz zu internationalen Verpflichtungen und zu den wohlverstandenen Interessen der Araber selbst; darüber wollen wir hier nicht streiten. Aber wenn es schon eine politische Auseinandersetzung geben muß, so muß sie auf jeden Fall auf dem Boden der Gerechtigkeit geführt werden. Gesetz und Ordnung müssen aufrechterhalten bleiben, die Bevölkerung muß in Eintracht leben und in Ruhe und Frieden arbeiten. Meinungsverschiedenheiten, Zwistigkeiten, Spaltungen muß man sich bemühen, durch Verhandlungen zu beseitigen. Aufruhr und blutige Exzesse beweisen nichts außer Mord- und Plünderungssucht. Durch physische Vergewaltigung löst man keine politischen oder ökonomischen Probleme. In Ruhe muß man einander nähertreten. Das hat auch der vorige Zionistenkongreß mit unzweideutiger Klarheit zum Ausdrucke gebracht. Nach Schluß des Kongresses hatten wir die denkwürdige erste Versammlung der erweiterten Jewish Agency. Das war ein Fest jüdischen Idealismus und edler Menschenliebe, War es nicht der Gipfel des Wahnsinns unserer Gegner, in dieser friedlichen Kundgebung auch nur einen Schatten aggressiver Tendenz erblicken zu wollen? Diese Kundgebung war ein würdiger, ruhiger Akt innerer Versöhnung und harmonischer Stimmungen zugunsten einer selbstlosen, hilfsbereiten Mitarbeiterschaft an einem zivilisatorischen Friedenswerk. Und kurz darauf ein Versuch eines gegen den Jischuw gerichteten Pogroms! Das war eine boshafte Ironie, wie sie auch eine ganz zügellose Phantasie im Fiebertraume nicht auszudenken vermocht hätte. Wir glauben aber auch nicht,, daß der Pogrom in Wirklichkeit eine logische Folge des letzten Kongresses oder der Jewish Agency war. Es war eine chronologische Aufeinanderfolge, die nachträglich tendenziös ausgebeutet worden ist. Wir glauben auch nicht, daß die blutigen * Augusttage 1929 in einem wirklichen Zusammenhang stehen mit Mandatsbestimmungen, Balfourdeklaration, Nationalheim und dergl. Diese Begriffe wären für den Mob unbegreiflich. Die Anstifter mußten deshalb zu einer alten Waffe greifen, die alte bewährte Waffe aus der Rüstkammer des wildesten Fanatismus hervorholen. Ein törichtes Gerücht wurde verbreitet, die Juden hätten beschlossen, die Omarmoschee zu erobern oder zu zerstören. Eine neue Nummer im Repertoire der Blutlüge, der Brunnenvergiftung u. dgl. Eine Anklage, wie sie schauriger nicht die hirnverbrannte Phantasie und der rohe Fanatismus der finstersten Zeiten der Menschengeschichte ausbrüten konnte. Hoher Kongreß! Unsere Organisation hat mehrfach die absolute Unantast-