Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 28)
- Language
- German, English, Hebrew
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D* Die Verhandlungen des Kongresses* Erste Kongreß-Sitzung- Dienstag, 30. Juni 1931, abends. Beginn der Sitzung 20 Uhr 30 Min. Vorsitz: Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow. PRÄS. D. EX. NAHUM SOKOLOW (spricht deutsch): Ich habe die Ehre, Ihnen unseren hebräischen Willkommgruß „Schalom" zu entbieten. Fast zwei Jahre sind verstrichen, seitdem wir in Zürich den XVI. Zionistenkongreß abgehalten haben. Sie wissen alle, welche zwei Jahre hinter uns liegen. In den vierunddreißig Jahren des Bestehens unserer Zionistischen Organisation war noch keine einzige Kongreßperiode so dramatisch bewegt und so schicksalsschwer wie die letzte. Wäre es nicht ratsamer, über das Vergangene hin wegzugleiten? — mögen manche fragen. Kurzsichtige Klugheit, welche dem Gefühle häufig Stillschweigen auferlegt, hätte es vielleicht vorgezogen, über das Geschehene einen Schleier fallen zu lassen. Nein! Wir sind nicht geneigt, eine Vogelstrauß-Politik des Nichtsehen-wollens zu treiben. Symbolisiert denn nicht der Zionistenkongreß die Souveränität des jüdischen Volkes, das einen intensiven historischen Sinn hat und den Zusammenhang der Dinge in seiner Erinnerung wahren muß? Seit jeher sind wir gewohnt, in allen schweren Stunden zum Kongreß als zu unserer höchsten Instanz emporzublicken und ihm über die Ereignisse zu berichten. Wie hätten wir vor einem Kongreß etwas zu verschleiern? Auch jetzt stehen wir vor Ihnen mit offener Sprache und mit reinem Herzen. Der gegenwärtige Kongreß ist in der Geschichte unserer Kongresse ein ganz besonderer Markstein — nicht einfach eine periodische Wiederkehr des festgesetzten Zweijahrdatums oder eine Veranstaltung sentimentaler Art. Dieser Kongreß ist vorzugsweise ein Kongreß der Realität. Schärfer denn je müssen wir der Wirklichkeit ins Gesicht schauen. Nur so können wir erfahren, wo wir stehen und wie wir imstande sind, vorwärts zu kommen. Wir haben im Laufe der letzten zwei Jahre große Krisen überstanden. Diese Krisen haben zeitweise unsern Horizont dunkel umwölkt. Nichts war leichter als in Entmutigung und Gemütsbedrückung zu verfallen. Vor solcher Mißstimmung jedoch schützte unsere Organisation der Mut und die Vernunft. Nur die Wilden glauben die Sonne gefährdet, wenn eine Sonnenfinsternis eingetreten ist. Kulturmenschen hingegen wissen, daß dies vorübergehend ist. Das gilt auch für manche Vorgänge im großen Drama des Völkerlebens. Die Sonne der Gerechtigkeit und des Ideals mag vorübergehend verdunkelt, nie aber aus ihrem Triumphzug abgelenkt werden. Der Eintritt einer solchen „Finsternis" begann mit dem plötzlichen Überfall eines fanatisierten Pöbels auf unseren Jischuw in den Augusttagen 1929. Warum haben wir dies nicht vorausgesehen? Ja, dies konnten nur die Anstifter