Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 625 (sequence 763)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7775-3483923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Struck, Weizmann 625 dort heranwächst. Darum haben wir unsere Arbeiterschaft so erzogen, dass sie bei hartem Ringen um den Ertrag des Bodens von der Idee der göttlichen Ziele getragen wird. In diesem wahrhaft idealen Streben sind wir besonders nach den warmen Worten, die unser verehrter Chairmann Louis Marshall der Religion gewidmet hat, sicher, das Verständnis und die vertrauensvolle Hilfe auch unserer neuen Bundesgenossen zu finden. Präsident Dr.Weizmann: Geehrte Anwesende! Ich bin in der glücklichen Lage, heute, vielleicht das erstemal in meinem Leben, keine Antwort auf Oppositionsreden geben zu müssen. Meine Aufgabe ist nur, in einigen Worten vielleicht manche Unklarheiten, die sich in die Debatte eingeschlichen haben, hier wenigstens Yon meinem Standpunkte aus klarzustellen. Ich glaube, wenn Herr Dr. Frankel von der Korporation gesprochen hat, und er legt auf diese Institution grossen Wert, ist das keineswegs gemeint als irgendein Konkurrenzunternehmen zu den beiden Fonds, dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth. Wollen wir ganz klar sprechen: Landwirtschaftliche Kolonisation, mit Ausnahme vielleicht von Orangenbau, ist keine dividendengebende Unternehmung. Landwirtschaftliche Kolonisation ist nicht rentabel. Landwirtschaftliche Kolonisation ist die Basis für alle anderen Dinge, die rentabel sein können. Wenn die Juden Palästina haben wollen, müssen sie es sich erwerben, und öffentliche Gelder müssen zur Verfügung stehen. Der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth, die öffentlichen Fonds, bahnen den Weg auch für die Privatinitiative. Gerade weil die Pioniere gekommen sind und das Land sicher geworden ist, ist der Weg für das Kapital gebahnt worden, das sich fürchtet, in unbebautem Land rentable Dinge zu machen. Bei uns Zionisten und auch bei mir besteht eine Befürchtung folgender Art: unsere Erfahrung mit Korporationen in Palästina ist folgende: der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth haben all diese schwierigen Arbeiten gemacht, man hat schon in dieser Versammlung einen Begriff davon, was das ist. Nachher sind die Gesellschaften gekommen, die rentabel gearbeitet haben und haben gesagt: Wir leihen 100 Pfund und erhalten 105 Pfund zurück, wir sind diejenigen, welche die Sache businesslike machen. Die Leute haben nicht verstanden, die Sache businesslike zu machen, nur deswegen, weil es einen Keren Hajessod und Keren Kajemeth gegeben hat. (Beifall.) Deshalb will ich, dass kein Gegensatz bestehen soll und dass diese Korporation eingegliedert werden soll in das allgemeine Gebäude, das heute besteht. Noch etwas wurde in diese Debatte hineingeworfen. Der Keren Hajessod bestreitet nicht nur die Kosten der landwirtschaftlichen Kolonisation, sondern er trägt noch zwei grosse Arbeiten, Erziehung und Gesundheitswesen. Ich brauche in einer jüdischen Versammlung nicht erst zu sagen, dass eine Schule, eine Universität und ein Kindergarten ebenso