Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 614 (sequence 752)
- Language
- German, English, Hebrew
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614 3. COUNCIL-SITZUNG: Generaldebatte genug hat, werden auch 15 Prozent genügen, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Wenn man anderseits nicht genug Land hat, entsteht eine grosse soziale Gefahr und dieser Hinweis kann gar nicht stark genug hervorgehoben werden. Dr. Weizmann sprach heute über die landwirtschaftliche Bevölkerung und über den Bauer. Ich glaube nicht, dass die jüdische Landwirtschaft in Palästina nach dem Masstabe bäuerlicher Wirtschaft durchgeführt werden soll. Wenn man ein Programm aufstellt, sollte man von einer Lebenshaltung ausgehen, die es den Menschen und insbesondere ihren Kindern ermöglicht, auf dem Lande zu bleiben. Ist der Standard zu niedrig, dann werden die Kinder von der Landwirtschaft weggehen. M. M. Ussischkin (Erez Israel, Zionist — spricht deutsch): Ich habe nur einige Bemerkungen zu den Referaten unserer neuen Mitarbeiter zu machen. Zur Rede Weizmanns habe ich nichts hinzuzufügen, weil wir ja schon im Kongress darüber eingehend gesprochen haben. Ich war sehr zufrieden, als ich von Frankel und von Warburg Worte über jene Frage hörte, die mich am meisten interessiert: die Frage des Bodens. In dieser Sache haben wir viel gesündigt. Wenn Sie auf diese Karte schauen, so sehen Sie, was wir alles in den fünfzig Jahren, seit kolonisiert wird, falsch gemacht haben. Wir haben bloss sechs Prozent des Bodens in dem Mandatsgebiet erworben, und wenn wir unser altes Mandatsland, das Land der Bibel, in Betracht ziehen, so haben wir nur zwei Prozent erworben. Wenn wir sogar das agrikulturfähige Land in Betracht ziehen, so haben wir zwar 16 Prozent des Landes, aber das ist noch lange nicht alles, was wir brauchen. Warum haben wir solche Fehler gemacht, warum haben wir bis heute so wenig Boden? Das hat zwei Ursachen. Die erste ist, der Boden hat geschwiegen. Die lebendigen Menschen, die Kolonisten, die Arbeiter, die Beamten, die Lehrer, die Immigranten haben gesprochen, haben geschrien, und sie sind gehört worden. Der Boden aber hat geschwiegen, und darum hat man nichts gehört. Die zweite Ursache liegt in einer früher sehr verbreiteten falschen Theorie: dass man nur dann Boden zu kaufen braucht, wenn man die Mittel hat, zu kolonisieren. Und unsere Mittel sind ja immer knapp. Und nun kamen die neuen Leute ins Land, und ich bin glücklich, dass sie sofort erkannt haben, dass unsere Hauptfrage die Frage des Bodens ist. Ein altes Sprichwort sagt: ein Gast für eine Weil' sieht auf eine Meil\ Freilich ist es notwendig, die Tatsache zu unterstreichen, dass Boden allein noch nicht alles ist; wir brauchen nationalen Boden, Boden, der dem ganzen jüdischen Volke gehört. Ich freue mich, dass darüber zwischen uns kein Streit ist und dass Sie unsere Anschauung in dieser Frage akzeptiert haben. Eine Frage jedoch darf man hierbei nicht übersehen, und das ist die Frage der Beziehung der Regierung zum Bodenkauf. Ich gehöre nicht zu jenen, welche viel von den Regierungsböden erwarten. Die Regierung hat