Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 611 (sequence 749)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7761-3483909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ariosoroff, Blumenfeld 61! erkannte Judenfrage, und unabhängig von den Gesinnungen der einzelnen besteht diese objektive Judenfrage in aller Welt. Und wenn wir heute mit unsern Ideen an diese jüdische Welt herangehen, so weiss diese jüdische Welt aus ihren Erfahrungen, dass es eine ausweglose Situation ist, in der die Judenheit im Galuth lebt: keine Möglichkeit der Erneuerung des Judentums in den Ländern des Galuth, nur eine Möglichkeit der Erneuerung jüdischen Lebens im freien Erez Israel. Nun, der Erfolg dieser Arbeit ist heute sichtbar. Was will sie? Wir hörten in den Programmreden Vorstellungen entwickeln von zukünftiger Tätigkeit Und ganz gewiss sind es begrüssenswerte Vorschläge; begrüssenswert ist es, wenn man heute von der grossen „Korporation*4 spricht, die noch nicht da ist, die man aber schaffen will, wenn man von grossen finanziellen Unternehmungen spricht. Aber ich weiss nicht, ob alle schon zur Klarheit darüber gekommen sind, dass dieses Erez Israel ein Kolonialland ist, das durch Arbeit erobert wird, ein Land also, in dem wir Funktionen zu erfüllen haben, die sonst überall Staaten erfüllen. Alle die Redner, die hier gesprochen haben, kommen aus geordneten Gemeinwesen, wo der Staat für Schulen, Hygiene, für alle Bedürfnisse des Lebens sorgt, wo der Staat auch eingreift in die Wirtschaft. Es gibt kein Land der Welt, in dem z. B. die Landwirtschaft ohne Hilfe des Staates existiert und existieren kann. Man verlangt überall Wirtschaftlichkeit, aber man weiss ganz genau, dass Wirtschaftlichkeit nicht identisch zu sein braucht mit Rentabilität, dass es im Sinne einer grossen Volkswirtschaft notwendig ist, auch von Seiten der Gesamtheit Investitionen zu machen, um ganze Teile der Wirtschaft lebendig zu erhalten. Als Jewish Agency stehen wir da als die oberste, kontrollierende und regelnde Instanz für das gesamte palästinensische Leben. Und da wir hier nur praktische Dinge behandeln, so will ich ausdrücklich sagen, dass diese praktischen Dinge nicht nur Schulen, Hygiene usw. bedeuten, sondern dass die Kolonisation dieses Landes erst die Voraussetzungen dafür zu schaffen hat, dass einmal ein Augenblick eintritt, in dem eine sich selbst erhaltende palästinensische Gesamtwirtschaft reif ist, Unternehmungen aller Art aufzubauen. Das kann sie, wenn wir als ordnende Instanz die natürliche Schichtung der Bevölkerung herbeigeführt haben, einer Bevölkerung, die zu einem erheblichen Teile direkt in landwirtschaftlichen Berufen tätig ist. Und wer das bejaht, der weiss, dass eines der praktischen Erfordernisse die Menschen sind, die zu dieser Kolonisation gehören. Alijah, Immigration, geschieht nicht von selbst. Zwar stehen Tausende und Zehntausende bereit, die in dieses Land gehen wollen und mit ihrer ganzen Seele danach streben, Bürger dieses Landes zu werden. Unsere Aufgabe aber ist es, die Bedingungen zu schaffen, die ihnen ermöglichen, in dieses Land zu gehen, und ihnen dort die Basis ihres Lebens zu geben. Einer der Redner hat gemeint, es gebe zwei Sorten von Menschen