Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 608 (sequence 746)
- Language
- German, English, Hebrew
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608 3. COUNCIL-SITZUNG: Generaldebatte 20 Prozent des jüdischen Volkes müssten wir doch für den Palästina- Aufbau erfassen. Um die verbleibenden 15 Prozent zu erreichen, müssen wir grosse Aufklärungsarbeit leisten. Wir haben ein Instrument geschaffen, das an und für sich ein Geldinstrument ist. Aber das Ideelle war die Grundlage dieses Geldinstruments und daher der bisherige Erfolg. Gewiss wird eine Gesellschaft mit 50 Millionen Kapital und mit einer gesicherten Dividende dem Aufbau Palästinas viel helfen. Aber wir dürfen den Keren Hajessod nicht vernachlässigen, der den Gedanken der Besteuerung in sich enthält. Dieses Instrument sollte jetzt nicht aufgegeben, sondern gestärkt werden. Wenn wir dieses Instrument, den Keren Hajessod, jetzt aufgeben, werden wir verloren sein. Palästina ist jetzt ganz konkret und hat eine anziehende Kraft für die ganze Welt. Das Beste wäre nun, wenn wir die Juden nach Palästina nehmen und ihnen Palästina zeigen könnten. Da wir aber die Juden nicht nach Palästina bringen können, so bringen wir Palästina zu den Juden. Das tun wir auf dem Wege der Propaganda, dazu haben wir den Keren Hajessod geschaffen. Wir wissen uch die Gründe, die Sie bewogen haben, zu uns zu kommen. Sie sind von denselben Motiven getrieben, die uns vor vierzig Jahren zu Palästina führten. Zwischen uns und Ihnen herrscht nur ein chronologischer Unterschied. Wir hatten dieselbe Psychologie, die Sie jetzt haben, vor vierzig Jahren. Und Sie sollten nicht vergessen, dass wir das unsrige, ohne Polizeimacht, ohne einen Staatsapparat, ohne Dividendenhoffnung erreicht haben, nur durch die moralische Kraft, die immer weitere Kreise zog. Sie sind einzelne, hinter Ihnen aber stehen Scharen. Um diese zu erreichen, müssen wir Hand in Hand arbeiten. Die erzieherische Arbeit für den zionistischen oder Palästinagedanken darf nicht aufgegeben werden. Nach einigen Jahren werden wir vielleicht den Keren Hajessod nicht mehr brauchen. Heute ist der Keren Hajessod das einzige Instrument, das uns Zutritt zu den Juden gibt. Ich habe nie in meinem Leben über den Keren Hajessod selbst gesprochen. Der Keren Hajessod ist nur der Ausdruck einer Idee. Und mit dieser Idee haben wir erzieherisch gewirkt. Man darf auch nicht vergessen, dass man, um Geld zu geben, die Hand in die Tasche stecken muss. Die Hand wird aber vom Gehirn geführt. Wenn dies nicht der Fall ist, wird die Hand nicht in die Tasche greifen. Man spricht hier von der Hand in der Tasche, vernachlässigen Sie aber nicht den jüdischen Verstand, das jüdische Herz. Mit der Zeit werden sich vielleicht neue Wege zeigen. Vorläufig sollten wir die alten beschreiten, die sich als die besten bewährt haben. Dann werden wir in den nächsten Jahren unsere Armee und unsere Energien verdoppeln für den Aufbau Palästinas. Einzelne von uns sind an diese Erweiterung der Agency mit Sorgen und Befürchtungen herangetreten. Die gestrige Versammlung hat gezeigt, dass kein Grund zu Befürchtungen vorhanden ist. Die Arbeit wird leichter sein, weil wir mehr Energien auf sie konzentrieren können. (Beifall.)