Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 580 (sequence 718)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7730-3483878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
580 1- COUNCIL-SITZUNG: Eröffnungsreden keine Bedeutung hat? Ich glaube es nicht. Ich sehe die Hand Gottes, der auf uns blickt, der uns von Aegypten nach Palästina zurückgeführt hat. Ich wurde im Jahre 1921 zum Zionisten. Und ich bin ein Zionisf geblieben und will alles, was ich nur kann, für die Sache tun. Ich hoffe, wir werden zusammenarbeiten und werden so rasch wie möglich diese überholten und unnützen Redensarten von zionistisch und nichtzionistisch fallen lassen. Wer für Erez Israel ist, ist für mich. Und wer für Palästina arbeitet, mit dem will ich arbeiten, was immer er ist und in der Vergangenheit gewesen sein mag. Wer den Ruf Erez Israels gehört hat, der kann nicht mehr los. Dieses Land, das unsere Geschichte ist, das in jedem Stein die Geschichte unseres Volkes enthält, dieses Land ruft uns. Es ruft mir zu, dass ich mit ihm eins bin. Und wenn wir in Komitees und Konferenzen sitzen, so werden wir diese Probleme nicht überschätzen, wenn wir Palästina kennen und lieben. Wie viele hundert Jahre waren es von der Zerstörung des Tempels bis zu der Balfour-Deklaration! Wir hatten nur zehn Jahre, um Erez Israel aufzubauen. Es ist erst ein Anfang. Aber es wird ein Tempel werden, von wo wieder einmal wie schon dereinst die grossen kulturellen und ethischen Ideen entspringen, die die Welt gewonnen haben und die Grundlage moderner Sittlichkeit geworden sind. (Lebhafter Beifall.) Leon Blum (Frankreich — spricht französisch): Sie werden sehr erstaunt sein, auf der Tagung der Agency einen Mann zu sehen, dessen ganze öffentliche Tätigkeit und persönliche Arbeit der Sache des internationalen Sozialismus gewidmet ist, einen Mann, von dem ich ehrlicherweise erklären muss, dass er niemals seinen Ursprung und seine Religion verleugnet hat, sondern im Gegenteil bei allen Gelegenheiten und in allen Kämpfen mit Stolz auf sie hinwies. Und doch muss ich zugeben, dass ich von jedem Glauben und jeder Religionsübung losgelöst bin. Es gibt Menschen, die in dem zionistischen Werk nichts sehen wollen als den Ausdruck von jüdischem Nationalismus und Fanatismus. Wenn dem so wäre, hätte ein Sozialist nichts dabei zu tun. Der internationale Sozialismus sucht die Originalität aller Nationen zu wahren, die Integrität aller Sprachen, aller Kulturen und Rassen, aber er versucht auch sie in einer höheren Menschlichkeit zu vereinigen, er versucht, aus ihnen eine Harmonie zu schaffen, die alle höheren Gedanken des gemeinsamen Lebens umfasst. Es geschieht, dass durch eine Art Wunder der Geschichte das jüdische Heim in Palästina, diese Heimstätte, bestimmt, die leidenden und verfolgten, aber auch die heimwehkranken Juden aufzunehmen, aufgebaut wird. Ich habe dieses jüdische Volk einmal das grosse Opfer der Geschichte genannt. Aber durch alle Zerstreuung und durch alle Wechselfälle des Lebens ist der Geist der Nation intakt geblieben. Der Juderi-