Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 578 (sequence 716)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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578 1. COUNCIL-SITZUNG: Eröffnungsreden nische Kunst Dr. Weizmanns, der das Problem und das amerikanische Volk verstand. (Beifall.) Er weiss, dass wir Ideen haben. Wir sind praktische Leute und werden immer unsere Arbeit praktisch zu machen suchen, aber das verringert nicht unseren Anteil an dem Aufbau Palästinas. Und heute, wenn ich hier stehe, empfinde ich das ernster als jemals, und zwar auf Grund eines Beschlusses, den Ihr Kongress dieser Tage angenommen hat und in dem er die Bedeutung des Judentums, unserer heiligen und unsterblichen Religion, für den Juden unterstrichen hat. Damit ist das Programm vollkommen. Jetzt wollen wir an die Arbeit denken und gemeinsam wirken. Verstehen wir einander und alles wird leicht sein. In wenigen Tagen begehen wir den neunten Ab. Dies war ein Tag der Klage und Trauer wegen der Zerstörung des Tempels und unserer Vertreibung aus Palästina. Möge ein anderer Tag kommen, ein Tag der Freude, ein Tag des Glücks, ein Tag, der Trauer und Klagen vertreibt und uns alle grösser, besser und edler macht. (Stürmischer Beifall.) Prof. Albert Einstein (spricht deutsch): Wir alle fühlen, dass wir heute einen grossen Tag erleben, und ich mochte versuchen zu sagen, worin ich die Grösse dieses Tages sehe. Ich sehe die Tragik des modernen Juden darin, dass er wohl eine Nation repräsentiert, aber eine Nation, welche atomisiert ist. Der einzelne Jude ist vereinsamt und er leidet die Not der Vereinsamten. Diese Not hat sich zu einer tragischen Situation gestaltet. Wie sollte aber ein Ausweg geschaffen sein, ohne zur Errichtung eines eigenen Heims zu kommen? Der, welcher es klar, mit voller Klarheit gesehen hat, war Herzl. (Stürmischer Beifall, die Versammlung erhebt sich.) Was er gesehen hat, war so einfach, und wir haben ihn doch nicht verstanden. Denn nur ein kleines Häuflein von Männern hat sich um ihn geschart. Er sah, dass ein gemeinsames Werk nur möglich sei, wenn sich das Volk selbst jene Gemeinschaft schaffen kann, welche die Vereinsamung des Individuums aufzuheben imstande ist. Er sah auch mit dem sicheren Instinkt des politischen Geistes, dass dieses Werk nichts anderes sein konnte, als der Aufbau Palästinas. Fast alle von uns sahen das nicht. Fast alle Juden haben ihn bekämpft, in der Angst, ihre bescheidenen Positionen in ihren Wohnländern zu verlieren oder zu gefährden. Herzl wusste, dass dem nicht so war, und fing mit einem kleinen Häuflein Getreuer das schwierige Werk an, welches zunächst vom politischen Gesichtspunkte unmöglich schien. In diesen Tagen aber sehen wir, dass er gesiegt hat. Wir sehen, dass alle Juden eingesehen haben, dass er die Erlösung gebracht hat. Und das wollen wir mit vollem Herzen anerkennen und uns vor ihm neigen. (Beifall.) Ebenso wollen wir anerkennen, dass ein Grossteil der Schwierigkeiten, die sich auf dem Wege, den Herzl wies, türmten, unserem grossen