Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 577 (sequence 715)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Samuel, Marshall 577 Wenn ich zu den Mitgliedern des Councils spreche und auch zu denen, die keine Mitglieder sind, und insbesondere zu der grossen Zahl Yon Zionisten in diesem Saale, möchte ich sagen, dass alles von der Art abhängen wird, wie man an die zu behandelnden Probleme herantritt. Wir sollen nicht mit der Vorstellung beginnen, dass wir ein Verzeichnis all unserer Differenzen aufstellen sollen. Lasst uns sehen, wie weit wir übereinstimmen, und dann vertraue ich auf den Verstand, den unsere Feinde uns zuschreiben, dass das Ergebnis zufriedenstellend sein wird. Viele Leute sind in diese Agency mit Misstrauen hineingegangen. Das kommt daher, dass wir einander noch nicht kannten. Wir Amerikaner sprechen eine andere Sprache, haben andere Ideen, andere Traditionen, andere Methoden. Aber ich hoffe, dass wir alle, Zionisten und Nichtzionisten, sobald unsere Beratungen beginnen, uns gern bemühen werden, das zu tun, was für die Arbeit notwendig ist. Schliesslich ist die Zeit des Träumens vorüber. Wir brauchen Ideale, aber wir sind an den Punkt gekommen, wo wir arbeiten müssen. Wir sind jetzt so weit, dass reden manchmal nötig ist, arbeiten aber immer. Menschen, die einander nicht kennen, haben eine Abneigung gegen einander. Versuchen wir also einander kennen zu lernen und zu verstehen. Setzen wir uns zusammen, aber nicht um zu reden, sondern um praktisch zu denken. Das ist mein Programm und das wird zum Erfolg führen. Erwarten wir nicht allzuviel auf einmal. Dass Zionisten und Nichtzionisten sich geeinigt haben, ändert nicht die Naturgesetze. Erwarten wir keine Wunder, ausser jenen, die durch klares Denken und ehrliche Arbeit vollbracht werden können. Ein Land, das nicht fruchtbar ist, kann nicht mit einem Schlage fruchtbar gemacht werden. Aus einem Acre Land kann man nicht zwei Acres machen. Die grossen vor uns liegenden Probleme müssen in grosszügiger, praktischer, geschäftsmässiger Weise gelöst werden. Wenn man von Palästina spricht, soll man geschäftsmässig sprechen. Ich denke natürlich nicht an einen Geldjäger der Grosstadt, aber an den Durchschnittsmenschen, der vorwärts kommen will; und wir alle wollen vorwärts kommen. Was von dem einzelnen gilt, gilt auch von einem Lande. Geld kann nicht alles tun. Man hat uns Amerikanern die Ehre angetan, uns für Geldsäcke zu halten. Ich kann Ihnen versichern, dass wir keine sind. Wir sind Fleisch und Blut, menschliche Wesen. Wir sind ebensowenig Geldsäcke wie Leute aus anderen Ländern. Aber Gott hat uns Wohlstand gegeben, und darum halten wir es für unsere heilige Pflicht als Juden, von dem unsrigen unseren Brüdern in der Welt mitzuteilen. Das haben wir in Osteuropa getan und tun es weiter; wir werden es in Palästina tun, wenn Sie es gestatten. Wir stehen Schulter an Schulter mit den Zionisten. Wir werden durch das gleiche Ideal der Pflicht geleitet. Wir waren mit ihnen früher nicht einig aus Gründen, die ich nicht zu wiederholen brauche. Wir wurden geeint durch die staatsmän-