Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 576 (sequence 714)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7726-3483874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
576 1- COUNCIL-SITZUNG: Eröffnungsreden nimmt. Und unser Dank gilt auch Lord Melchett, dem Vorsitzenden der Palästina-Studienkommission, die diese grössere Entwicklung möglich gemacht hat. Die Aussichten für die Zukunft Palästinas sind jetzt günstig. Die wirtschaftliche Lage ist gut, die Depression ist vorüber. Auf der festen Grundlage der hebräischen Sprache sind die Anfänge einer neuen jüdischen Kultur bereits erbaut. Politisch ist die Situation in Palästina schwieriger, aber keineswegs ungünstig. Und die jüdische Palästina-Sache ist sicher, in Grossbritannien die Förderung jeder Regierung und jeder Partei zu finden. Die Jewish Agency wird vielleicht mehr innere als äussere Schwierigkeiten haben. Wir sind überzeugt, dass diese Schwierigkeiten überwunden werden. Sie enthält sehr verschiedene Elemente, Menschen aus vielen Ländern und von vielen Temperamenten. Sie wissen: Wo es drei Juden gibt, gibt es vier Meinungen. Aber jene, denen wir die Arbeit der Jewish Agency anvertrauen, werden eine ernste, eine persönliche Verantwortung für ihren Erfolg fühlen. Sie arbeiten unter den Augen der Geschichte. Ihre Namen werden auf die Nachwelt kommen mit Lob oder mit Tadel, je nachdem, ob ihnen das Werk gelingt oder misslingt. Aber nicht nur die Geschichte beobachtet sie, sondern auch die Pioniere in Palästina, die Chaluzim und Chaluzoth, die ihr Leben für die Erlösung des Bodens und der Seele Palästinas geben. Auch die hunderttausend Juden, die in den letzten zehn Jahren nach Palästina gegangen sind, blicken auf sie und vor unserem geistigen Auge sehen wir die Hunderttausende, die noch nach Palästina gehen sollen. Jahr für Jahr geben jüdische Gemeinden grosse Summen für den Bau von Bethäusern. Manche von uns aber glauben, dass Palästina das Bethaus des Judentums der ganzen Welt sein soll. König Salomo baute einen Tempel. Nehemia baute einen Tempel. Herodes baute einen Tempel. Aber auch wir bauen heute aus lebenden Menschen einen Tempel, der vielleicht noch grösser sein wird. (Stürmischer Beifall.) Louis Marshall (Amerika — spricht englisch): Dies ist die ausserordentlichste Versammlung, an der ich je teilgenommen habe. Hier sind Juden versammelt von vier Weltteilen, aus vielen Ländern und von jeder Anschauung, zu der sich der Menschengeist nur bekennen kann. Wir sind zusammengekommen, um die Vereinigung der Zionisten und Nichtzionisten für den Aufbau Palästinas zu sehen. Wir haben verschiedene Ideen und Ideale, wir haben verschiedene Auffassungen davon, was getan und was nicht getan werden soll, aber von einem bin ich überzeugt: als Ergebnis der Organisation der Erweiterten Jewish Agency wird Palästina erbaut. (Beifall.) Niemand soll seine Ueberzeugung verleugnen, jeder soll die Möglichkeit haben, sein Aeusserstes zu tun, um zu helfen, so gut er kann, und die Träume jener zu verwirklichen und lebendig zu machen, die seit Jahrhunderten sich danach sehnten, wieder im Land ihrer Väter zu wohnen.