Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 571 (sequence 709)
- Language
- German, English, Hebrew
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Dreyfus-Brodsky, Lipszyc 571 war die Schweiz immer einig, den Bedrängten zu Hilfe zu kommen. Und so ist es auch bei ns Juden. Alle Juden fühlen sich berufen und erachten es als ihre Pflicht, ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe zu kommen. In erster Linie möchte ich meinen Glaubensgenossen aus Amerika, die überall bereitstehen, wo es ihrer Hilfe bedarf, meinen Dank aussprechen. Ich bin sicher, dass die beiden Teile, die Zionisten und die Nichtzionisten, an diesem grossen Werk zusammenarbeiten werden und dass vieles erreicht werden wird. Das Ideal, das wir uns gesetzt haben, ist, im Heiligen Lande die jüdische Kultur aufleben zu lassen und für unsere bedrängten Brüder ein Heim zu schaffen, in dem sie sich zu Hause fühlen und in dem ne wieder glücklicher werden können nach soviel Bedrängnis. (Lebhafter Beifall.) Rabbiner Jecheskiel Lipszyc (Polen — spricht deutsch): Gott hat uns heute einen herrlichen historischen Moment erleben lassen, der in unserer zweitausendjährigen Golusgeschichte vielleicht nicht seinesgleichen hat. Wer sind jene, die aus Ost und West, Nord und Süd, gleich einer Wolke heranziehen und wie die Tauben zu ihren Schlägen herbeieilen? Hat uns ein Traum hiehergelockt? Aber alles, was hier versammelt ist, ist ja von Träumen und Schwärmen so weit entfernt, hat ja bis heute den wiederholten Rufen unser Idealisten kein Ohr geschenkt. Wer hat endlich doch alle diese Männer in Israel der Zionsidee gewonnen? Es muss inzwischen etwas geschehen sein, was viel mehr ist als Phantasie! Freilich, von dem Gemälde, das uns die Propheten von der Zukunft unseres Volkes skizziert haben, weicht die Gegenwart noch in vielem ab, noch steht die Sonne weit hinter unserem Horizont, aber die Morgenröte scheint bereits aufzudämmern; Mutter Rachel scheint bereits manche Träne von ihren Wangen zu wischen, indem sie um sich das jäh verödete Land im Wiederaufblühen sieht und die wüsten Felder Jehudas in reizendes Grün gehüllt. Die Aufbauarbeit im Heiligen Lande hört nun auf, die Angelegenheit einer Partei zu sein und soll die Sache des gesamten jüdischen Volkes werden. Wenn ich hier von einer Vertretung des ganzen Klal Jisroel rede, geschieht dies in der festen Zuversicht, dass durch die Agency auch denjenigen Volksgruppen, welche bis heute noch in unserer Mitte fehlen, der Weg zum Anschluss geebnet und die Türe weit geöffnet wird. Wir müssen zugeben, dass die Gruppen, von denen die Rede ist, in ihrer Liebe und Sehnsucht nach Erez Israel eigentlich viel älter sind als viele andere, die aber aus religiösen Gründen ihren Drang nach Erez Israel bis heute noch unterdrücken zu müssen glauben, weil ihnen die Religion keüe Privatsache ist, sondern der eigentliche Lebensnerv des jüdischen Volkswesens, und weil sie in der von gewissen zionistischen Kreisen geförderten Kulturarbeit eine Gefahr sehen für das Fortleben des traditionellen Juden-