Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 387

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 387 (sequence 525)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476286--7537-3483685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lichthein, Brod, Halpern 387 fragen müssen, wie es möglich war, dass in der Konstitution, dort, wo das Grundgesetz der hebräischen Sprache und der jüdischen Kultur betont wurde, mit keinem Wor*e der jüdischen Tradition, der jüdischen Religion, des grössten Heiligtumes des jüdischen Volkes Erwähnung geschah. Er wird sich fragen, ob es denn nicht auf dem Kongress Menschen mit Si^lz und Würde gegeben hat, die ihre Heiligtümer zu verteidigen wissen. (Zwischenruf: Warum haben Sie sechs Jahre lang die Heiligtümer nicht verteidigt?) Wenn man sechs Jahre dumm gewesen ist, kann man im siebenten Jahre gescheiter werden. Die Tradition, die das Volk erhalten und den Kontakt zwischen Volk und Land hergestellt hat, kann doch nicht totgeschwiegen werden. Es wäre nicht würdig, wenn die jüdische Orthodoxie, die überzeugt ist, das letzte Wort in der Geschichte noch nicht gesprochen zu haben, zugeben sollte, dass ihre Bedürfnisse mit keinem Wort erwähnt werden. Wir haben eine Formulierung gewählt, welche niemard reizen ro!l. Wir wollen niemand eine Meinung aufzwingen, aber unsere Forderungen sind Forderungen der elementarsten Gerechtigkeit. Es leben in Erez Israel zehntausende Juden, für welche die Religion das Heiligste ist, und diese Juden haben das Recht zu fordern, dass man sie nicht vergisst. Leider hat die Kommission die Forderung abgelehnt. Man sagt, die jüdisch'- Kultur sei ein elastischer Begriff, der alles umfasse, was jedes Individuum persönlich unter Kultur versteht. Gerade darum wollen wir die Sache nicht elastisch machen, sondern die jüdische Religion betonen. Man sagt uns, wir treffen in der Jewish Agency mit einem Teil des Judentums zusammen, der für religiöse Forderungen mehr Verständnis hat als für andere nationale Werte. Wir sind aber viel zu gute Zionisten, als dass wir wollten, dass man gegen Beschlüsse des Kongresses an die Jewish Agency als höhere Instanz appelliert. Die Ehre der Organisation ist uns viel zu teuer, als dass wir zugeben sollten, dass jene zweiten Fifty mehr Verständnis für unsere Bedürfnisse haben, als der zionistische Kongress. Es wurde uns in der Debatte gesagt, dass wir kein Monopol auf die Religion haben. Wir wären glücklich, wenn der Tag käme, da die Arbeit des Misrachi in der Organisation überflüssig wäre, da sie zum Eigentum der ganzen Zionistischen Organisation würde. Wir wenden uns an den Kongress mit dem Ersuchen, durch die Tat zu beweisen, dass er Fehler zu verbessern versteht. Man zwinge uns nicht in diesem Moment, gegen die Konstitution zu sein, nachdem wir sechs Jahre die Agency gestützt haben. (Beifall.) Berichterstatter Dr. G. Halpern: Bevor wir in die Debatte über die einzelnen Punkte eingehen, will ich im Namen der Kommission ergänzen, was Brod gesprochen hat. Ich glaube nicht, dass irgend jemand in diesem Saale ist, der die Gefühle, denen Brod so beredt Ausdruck gegeben hat, nicht teilt. Es wurde ausdrücklich in der Kommission erklärt, warum man es nicht für zweckmässig hält, das, was Brod und vielleicht der ganze Kongress wünscht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.