Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 522)
- Language
- German, English, Hebrew
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384 15. KONGRESS-SITZUNG: Bericht der Agency-Kommission euch noch überlegt, ob ihr hereingehen sollt, ob es nicht zu gross, nicht zu gefährlich ist, was dieser Mann von euch verlangt, und dann seid ihr hereingegangen, und er hat zu euch gesprochen. Als Sklaven seid ihr gekommen und als freie Männer seid ihr heimgegangen." Heute ist es umgekehrt: Als freie Männer sind Sie gekommen und als Sklaven gehen Sie hinaus. Niehl als Sklaven grosser Eroberer oder grosser Genies, nein, als Sklaven von Männern, deren Grösse darin besteht, dass sie Geld haben. (Zwischenruf: Die hat auch Herzl gesucht!) Sie haben recht, Herzl hat die Reichen gesucht und er ist zu ihnen gegangen, und er hat erkannt, dass es mit den Reichen nicht zu machen ist und da ist er zum Volk gegangen. (Beifall.) In diesem Momente war er der grosse Herzl, in dem Momente, wo er diesen richtigen Weg gefunden hat. Heute aber führt Weizmann Sie den Weg zurück, zurück den Weg Herzis, zurück vom Volke zu den Reichen. Aber merken Sie sich eines: Auch Weizmann wird den Sinn der Geschichte nicht umdrehen. Der Sinn der Geschichte ist, dass noch kein einziges Volk von seinen Reichen befreit worden ist. Die Reichen sind dann mitgegangen, wenn das Volk sie gezwungen hat, nicht freiwillig. Bevor ich hierher kam, hat mir ein alter Freund Herzis einen Brief geschrieben, in dem er mir ein Gespräch mit Herzl mitteilte. Herzl sagte ihm, das Verhältnis von uns Zionisten zu den Reichen ist ungefähr so, das. wir im Strom schwimmen und die Reichen am Ufer stehen und warten, ob wir ertrinken. Aber wenn es uns gelingt, ans Ufer zu kommen, dann werden sie uns die Hand geben und sagen, sie seien unsere Freunde. Sie gehen den Weg zurück, den Herzl uns gewiesen hat, und Sie werden heute abstimmen im Sinne der Zerschmetterung des Werkes, das dieser Mann geschaffen hat. Herr Vorsitzender, ich habe eine Bitte an Sie. Bevor Sie mit der Abstimmung über die Erweiterung der Jewish Agency beginnen, lassen Sie dieses Bild (auf das Herzl-Bild an der Rückwand der Tribüne zeigend) entweder hinaustragen oder umdrehen. (Beifall und Pfuirufe.) Del. M. Jachinson (Revisionist) erhebt Beschwerde, weil der Beschluss, nur einen Redner der Opposition zu Worte kommen zu lassen, zu einer Zeit gefasst worden sei, da die Delegierten noch nicht im Saale waren. Vorsitzender Motzkin Der Beschluss ist nach Eröffnung der Sitzung, der genau um neun Uhr stattfand, gefasst worden. Es liegt aber ein Vorschlag vor, dass die Debatte insofern verlängert werden soll, dass noch ein Revisionist und ein Misrachist das Wort erhält. Der Vorschlag wird angenommen.