Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 333

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 333 (sequence 471)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476286--7483-3483631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wolfsberg 333 es auch anderswo. Und es ist ein grosser Irrtum unserer Freunde inj allgemeinen Zionismus, wenn sie betonen, dass nur das, was erlebnishaft sei, verpflichtende Kraft haben könne, dass sie aber alles andere, was institutionell geworden ist, ablehnen müssen. Diese Ansicht ist ein bedauerlicher Irrtum. Auch wenn das Erlebnishafte fehlt, dürfen die Institutionan nicht preisgegeben werden, weil die Existenz des Volkes dadurch unmittelbar bedroht ist. Wir haben zwei grosse Typen in der jüdischen Religionsphilosophie, den nationalen und den rationalen Religionsphilosophen. Wenn sich unsere zionistischen Freunde für einen jüdischen Religionsphilosophen entscheiden würden, so wäre vielleicht meist Maimonides, der rationale Philosoph, der ihnen gemässere. Der Philosoph der nationalen Wiedergeburt ist aber Jehuda Halevi, und von dieser Philosophie wird einfach das akzeptiert, was unser Volk in seinem Dasein sichert. Bei der Erziehung muss man sich für eine Anschauung entscheiden, weiche die Existenz des Volkes sichert. Wir sind nicht verpflichtet, als Zionisten am Neubau der jüdischen Philosophie mitzuarbeiten. Wir haben lediglich das Maximum und Optimum einer Theorie zu leisten, welches die Gewähr bietet, dass das Volk fortdauern kann in der Geschichte. Wenn wir in unserer modernen hebräischen Literatur so fruchtbar sind, so muss festgestellt werden, dass fast alle ihre Schöpfer Sprösslinge des alten Beth Hamidrasch und der alten Jeschiwah sind und dass der Reichtum unseres alten jüdischen Lebens das Fluidum, die Voraussetzung und die Krönung ihres Werkes ist. Wissen wir, ob die zweite Generation auch so reich sein wird? Wir haben die Pflicht, daran zu bauen, dass die nächste Generation nicht vom Judentum abkomme, sondern noch tiefer ins Judentum eindringe. Die hebräische Sprache wäre leichter in unserem Leben zu verankern, wenn es im jüdischen Hause eine religiöse Tradition, wenigstens eine objektive religiöse Tradition gäbe. Wir fordern ja nicht, dass Sie alle zu unserem Programm stehen, wir wollen Sie nur zur Besinnung rufen. Halten Sie fest, was Sie halten können, seien Sie Pädagogen, vergessen Sie nicht, dass es ein Verhängnis ist, wenn in der Kindererziehung allzu früh der absolute Intellektualismus Platz greift. Man darf die Gemütswerte der Erziehung nicht vernachlässigen. Versagt man dem Kind die religiöse Erziehung, so raubt man ihm unendlich viel. Wer in den religiösen Formen und Institutionen lebt, die ungezählte Millionen durch Jahrtausende geübt haben, findet so nicht nur zum Volke und zur Wiedergeburt den Weg, sondern auch zu seiner individuellen Religion und Gläubigkeit. Das ist doch auch ein nationales Ideal. Vergessen Sie nicht, dass viele Schritte notwendig sind, bis wir wieder in unserem Lande verankert sind. Die Tradition ist ein Weg zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.