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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 332

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 332 (sequence 470)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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332 12. KONGRESS-SITZUNG: Referate über hebr. Kulturarbeit in der Diaspora Ich will die Dinge nicht historisch, sondern systematisch, überzeitlich zu fassen versuchen. Es gibt zwei grundsätzliche Betrachtungsweisen: Die Prüfung dessen, was Kultur überhaupt sein soll und was insbesondere jüdische Kultur sein muss für alle Zeiten. Bei uns im Zionismus wird vielfach eine Selbstbeschränkung geübt, und man will Kultur so interpretieren, dass die Sprache die Essentia der Kultur ist. Dem müssen wir widersprechen, nicht nur weil dabei die religiöse Tradition zu kurz kommt, sondern aus einer Bewertung der Kultur, wie man sie auch ausserhalb jedes religiösen Systems üben muss. Jetzt erst, während unserer kulturellen Renaissance, ist eine Selbstbesinnung auf unsere Sprache erfolgt. Ich glaube, dass in der Renaissance eines Volkes Wissenschaft nicht das höchste Ideal ist, jedenfalls aber nicht das einzige. Ich unterschätze die Wissenschaft gewiss nicht, trotzdem glaube ich, dass die Theorie einer nationalen Renaissance unmöglich ihren Schwerpunkt in der letzten wissenschaftlichen Mode haben kann. Denn um eine Mode handelt es sich vielfach. Heute ist es die Psychoanalyse, morgen die Individualpsychologie oder der Behaviorismus. Die Sprache ist selbstverständliche Voraussetzung der Wiedergeburt. Aber man sollte einsehen, welch schöpferische Kräfte in denjenigen Dingen liegen, welche unserem Volke eine Sonderstellung unter den Völkern gegeben haben. Kein Mensch kann mit gutem Gewissen den Nationalismus verteidigen, wenn er sich nicht darauf beruft, dass dieses Volk Wesentliches der Welt gegeben hat. Und ich glaube, es wäre nicht richtig zu sagen, dass wir nur durch unsere Sprache zum ewigen Volk, zum Am Olam geworden sind. In der Kultur der Gegenwart, noch mehr aber in der Kultur der Zukunft, steigen viele verschüttete, seelische Werte wieder empor, die zu erfassen die Methoden der Wissenschaft viel zu wenig subtil sind. Dennoch sagt uns unsere Ueberzeugung, dass diese Werte existent sind und dass sie als gemeinschaftsbildende Faktoren bedeutsamer sind als Wissenschaft und Technik. Kein einziges Volk kann geltend machen, dass es eine Geistesgeschichte solcher Kontinuität besitzt wie wir. Bei keinem Volk lässt sich zeigen, dass seine Geschichte so abhängig ist von seiner besonderen Tradition, deren besonderes Kennzeichen die Religion ist, wie bei uns. Mit diesem System, mit diesem Gebäude ist unser Volk durch die Geschichte gezogen; und nun sollen im Zeitalter der nationalen Renaissance mit einemmal alle diese Dinge belanglos geworden sein? Sie sind nicht belanglos geworden. Es gibt einen grossen Teil des Volkes, der in der Tradition beharrt, einfach weil er in ihr seine wesensgemässe Lebensform gefunden hat. Aber es gibt andere Menschen, welche bei aller Analyse der Wirklichkeit durch die Wissenschaft, die religiösen Ueberzeugunge.n und die sie festhaltenden Institutionen als ewiges und nicht zu vernichtendes Ferment erkennen und welche zu einem Erziehungs- und Kultursystem hinstreben, das objektiv identisch ist mit dem traditionellen. Diese Unterscheidung zwischen dem Erlebnismässigen und Institutionellen gibt

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