Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 463)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ussischkin, Grünbaum 325 Jizchak Grünbaum (A.C., Radikal — spricht hebräisch): Ich halte es vor allem für meine Pflicht, eine kurze Erklärung abzugeben. Mein Referat erfolgt nicht im Namen der Exekutive. Die Exekutive hat sich nur damit einverstanden erklärt, dass auf diesem Kongress ein Vortrag über die kulturelle Tätigkeit gehalten wird. Dieser Vorschlag wurde seitens des Verbandes der Tarbuth-Vereinigungen gemacht. Die Exekutive ist aber weder für den Inhalt des Vortrages verantwortlich noch auch für die Vorschläge, die ich dem Kongress unterbreiten werde. Seitdem der Zionismus sein Ziel erkannt hat, hat er sich mit den Fragen der Kulturarbeit beschäftigt, deren Aufgabe es war, die Geister für die Erlösung vorzubereiten. Ich will hier nicht auf das ganze Problem der Kulturarbeit in der zionistischen Bewegung eingehen. Ich möchte nur bemerken, dass zu jeder Zeit, wo die grossen Hoffnungen, in kurzer Zeit Grosses in Erez Israel leisten zu können, enttäuscht wurden, das Bestreben sich geltend machte, die kulturelle Arbeit zu verstärken. In solchen Momenten drängte sich die Ansicht auf, dass eine „Action directe * eine rein kolonisatorische Tätigkeit nicht genüge, sondern dass man die Generation für die Erlösung geistig vorbereiten müsse. Nachdem die grossen Hoffnungen der ersten Chowewe Zion zunichte geworden waren, trat Achad Haam mit seiner Losung „Vorbereitung der Geister, Vorbereitung der Generation" auf. Damals begann man, die kulturelle Frage ernst zu behandeln. Die Verhältnisse waren aber einer grossen kulturellen Arbeit nicht besonders günstig. Die Oeffentlichkeit war auch nicht für eine solche grosse Arbeit vorbereitet. Und aus dem Kreise der Bnei Mosche kam die Idee, die kulturelle Arbeit einzuleiten. Es wurden dann die reformierten Chedarim gegründet. Ihre Aufgabe war, den Cheder auf der alten traditionellen Basis auszubauen und zu modernisieren. Man glaubte, den Cheder so ausbauen zu können, dass er den Bedürfnissen des Renaissanc*:- ideals, des Ideals einer neuen Erziehung gewachsen sei. Als die politische zionistische Bewegung entstand, wurde wiederum die Hoffnung wach, auf dem Wege der direkten Aktion und in kurzer Zeit das letzte Ziel zu erreichen. Und man vergass wieder die kulturelle Arbeit. Die Schüler Achad Haams, die den naiven Glauben der anderen Zionisten an den baldigen Erfolg der politischen Arbeit nicht teilten, warnten davor, die Kulturarbeit, die geistige Vorbereitung der Generation für die Erlösung zu vernachlässigen. Man müsse die Generation erziehen und eine solche Generation heranbilden, die leiden, kämpfen, bauen und erobern könne. Der offizielle Zionismus teilte aber diese Auffassung nicht. In dem Streit, der sich so in der zionistischen Bewegung in bezug auf die kulturelle Arbeit entwickelte, war die Misrachigruppe von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus dagegen, dass die Kulturarbeit in das Tätigkeitsprogramm der Zionistischen Organisation aufgenommen werde. Sie war auch für Erziehung, für kulturelle Arbeit, sie lehnte aber die kulturelle Arbeit ab, die die anderen Gruppen vorschlugen, die nicht auf der Basis