Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 443)
- Language
- German, English, Hebrew
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Soskin, Schocken 305 den Weg zu finden zu einer fundamentalen Sicherung der Wirtschaft und des Aufbaues im Lande. Der zweite Weg, der uns von Weizmann gezeigt wurde, war die Erweiterung der Jewish Agency. Wenn ich von der ersten Aufgabe im einzelnen sprechen soll, müsste ich auf die Periode während des Krieges, nach dem Kriege und bis zum Basler Kongress zurückgreifen. Da mir dies in der kurzen Zeit nicht möglich ist, will ich nur summarisch sagen: für die täglichen Vorgänge in der Verwaltung war immer eins charakteristisch: stets handelte es sich um einen Prozess, den ich die Erweichung der leitenden Persönlichkeiten nennen möchte. Immer wieder war es so, dass die Männer an der Spitze unserer Verwaltung nachgeben mussten, nicht die Härte und die Selbstsicherheit hatten, einen Damm vor sich zu bauen, um für eine stabile fundamentale Sicherung unserer Wirtschaft zu sorgen. Sie hatten freilich eine undankbare Aufgabe, weil ihnen in grossartigem Aufschwung die heroische Wirtschaftsstimmung gegenüberstand. Ich möchte hier nur zwei Beispiele zur Illustration dessen sagen, was ich meine. Wenn ein Privatmann heroische Wirtschaft führt, dann tut er es auf sein Risiko und kommt bei der schliesslichen Abrechnung irgendwie zu Schaden. Führt eine Gemeinschaft heroische Wirtschaft, dann ist es kein Mut und kein Heroismus, Träger der Entschlüsse in dieser heroischen Wirtschaft zu sein. Wir haben die vierte Alijah in ihrem Aufschwung und in ihrem Niedergang erlebt. Sie mag bei vielen von Ihnen vergessen sein. Wir stehen aber mitten in der Welt der direkten und indirekten Auswirkungen dieser vierten Alijah. Tausende von Menschen sind in Enttäuschung zusammengebrochen. Sie haben ihre eigene Rechnung machen müssen und ihren Heroismus gebüsst an ihrem eigenen Vermögen. Es war dies eine echte nationale Leistung des einzelnen Zionisten in unserm Aufbau. Mehr als man zunächst glaubte, ist davon übrig geblieben. Der Aufschwung in den letzten eineinhalb Jahren hängt stark mit den Auswirkungen dieser vierten Alijah zusammen. Eine indirekte Auswirkung ist es zum Beispiel, dass wir erprobt haben, was nicht geht, was im kleinen geht und im grösseren gemacht werden kann. Das Gegenbeispiel: Ich kann nicht sagen, dass die gleiche Leistung von den verantwortlichen Leitern der amerikanischen Zion Commonwealth zustande gebracht wurde. Die Zion Commonwealth, die nicht unter unserer Verwaltung und nicht in unserem Parteikampfe steht, ist eine Mischung von Privat- und Gemeinwirtschaft, an der sich das Gesetz der Wirtschaft erfüllt hat. Ihr Teilcharakter als Gemein wir tschaft reichte hin, uns zu zwingen, dass wir uns den gesamten Schaden dieser Unternehmung aufbürdeten. Es ist ein billiger Heroismus, für eine grosse nationale Sache einzutreten, deren Folgen, wenn sie nicht gelingt, von der Gesamtheit getragen werden müssen. Hier zeigte sich einmal deutlich, welche Gefahren die heroische Wirtschaftsführung mit sich bringt, deren Ergebnisse in der Gemeinwirtschaft selten allgemein sichtbar werden. Grosszügigkeit und Ungebundenheit ist die Gefahr in der Führung unserer Geschäfte.