Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 442)
- Language
- German, English, Hebrew
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304 11. KONGRESS-SITZUNG: Debatte über die Palästina-Referate Für uns Revisionisten gibt es nur eine Möglichkeit der Finanzierung der Kolonisation, und das ist die Anleihe, und zwar in einem Masstab, der hinreicht, um eine Massensiedlung durchzuführen, mit welcher der Zionismus steht und fällt. Vor vierzehn Tagen ist ein Ereignis in London eingetreten, das aus der Anleine, die Sie zuerst in Zweifel gezogen haben, morgen eine Tatsache machen kann. Das neue Labour-Ministerium hat ein Gesetz eingebracht, das auch angenommen wurde, das sogenannte Colonisation Development Fund-Gesetz, wonach die englische Regierung für die Entwicklung der Kolonien sowie der Mandatsgebiete einschliesslich Palästinas jährlich eine Million Pfund als Garantie von Anleihen ins Budget einstellen kann, unter der Voraussetzung, dass die Kolonien eine gleich hohe Summe aufbringen. Dies ist eine öffentlich-rechtlich bestehende Tatsache. Dies ist es, was wir brauchen, und nicht die Jewish Agency. Unsere Auffassung ist: Anleihepolitik als Staatsraison für Palästina. Nur damit werden wir die Mehrheit in Palästina schaffen. Es gibt keine andere Lösung. S.Schocken (A.C. — spricht deutsch); Es ist hier Kritik an der Politik der Exekutive geübt worden, und im besondern wurde die Politik angegriffen, die mit unserer Wirtschaft zusammenhängt. Auch wir wissen, wo Fehlleistungen und Mängel in der Vergangenheit bei uns lagen. Wenn ich in dem Arbeitsgebiet, in welchem ich bewandert bin, zurücksehe, so sehe ich eine Reihe von kapitalen Fehlleistungen, die sich in der Wirtschaftspolitik gegenüber der Mandatarmacht deklariert haben. Nur drei seien hier genannt: Beisan, Huleh, Haifa-Bay. Ich will nicht auf Einzelprobleme eingehen, aber ich könnte ebensogut wie irgend ein Opponent aus unsern Kreisen bittere Worte gebrauchen. Blicken wir jetzt auf die zwei Jahre der Exekutive zurück, welche wir in Basel eingesetzt haben, so könnten wir auch ein Register von Fehlleistungen vortragen; ich nenne nur zwei. Die Exekutive ist ohne die Verträge mit den Siedlern hierher gekommen. Vielleicht stehen wir kurz vor dem Abschluss dieser Verträge, aber ich glaube, dass die Bilanz der Exekutive ganz anders ausgesehen hätte, wenn wir hätten sagen können, dass wir durch Verträge mit den Siedlern die Basis für unsere künftige Kolonisationsarbeit geschaffen haben. Ich im besondern finde eine zweite Fehlleistung von Bedeutung auf dem Gebiete der Wirtschaft darin, dass in der Siedlungsabteilung in diesen zwei Jahren keine fachmännische Ressortleitung eingesetzt worden ist. Man hat sich damit begnügt, eine Finanzleitung zu haben. Wir wünschen, dass möglichst bald nach dem Kongress auf diesem Posten ein berufener Fachmann stehen möge. Ich möchte im Namen meiner Freunde in grossen Zügen davon sprechen, was wir Zionisten der mittleren Gruppe, besonders wir deutschen Zionisten, als Aufgabe in den letzten Jahren gesehen haben. Wir sahen zwei Aufgaben, die in sich eine Einheit darstellen. Die eine Aufgabe war,