Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 441)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7453-3483601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Reraez, Soskin Sie haben von der echten Krise unserer Landwirtschaft gehört, das war die Dürre. Stets droht dieses Gespenst bei unbewässerter Landwirtschaft, und darum gibt es für einen europäischen Siedler in einem warmen Lande nur die gesicherte Landwirtschaft. Und darum muss unsere Kolonisation in Zukunft an die Küstenebene und weg vom Emek verlegt werden. Freilich, Kolonisation an der Küstenebene bedeutet noch nicht, wie es hier die allgemeine Ansicht zu sein scheint, Orangenbau. Orangenbau ist eine kapitalistische Kultur, nur gut für Leute, die Geld haben. Eine Massensiedlung kann man damit nicht aufbauen. Man fällt jetzt von einem Extrem ins andere. Es unterliegt keinem Zweifel, dass man ein paar tausend Arbeiter in der Nähe der Pflanzungskolonien beschäftigen kann. Das kann aber doch nicht das Ziel unserer Kolonisation sein. Wir wollen doch nicht einen abhängigen Stand von Arbeitern schaffen. Sie haben eine Anleihe in Angriff genommen. Wir haben seit jeher die Anleihe verlangt und waren darum gegen den Keren Hajessod. Nun haben Sie eine Anleihe versucht, aber wie sah die aus? Zwei Millionen Pfund — es hiess später, dies sei nur die erste Tranche — und mit diesen zwei Millionen Pfund wollten Sie 1200 Familien in sieben Jahren kolonisieren. Nun, es ist glücklicherweise nichts daraus geworden. Man hat die Sache fallen lassen, weil man sich jetzt mit der Jewish Agency beschäftigt. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass man eine Kolonisation so treiben müsse, dass man den Kolonisten in eine Lage versetzt, dass er kein Risiko des Misserfolges läuft. Das ist zu machen, und es wird auch in andern Ländern gemacht. Die Schwierigkeiten der ersten Jahre dürfen nicht zu Lasten des Kolonisten gehen, da er in den meisten Fällen daran zugrunde geht. Die moderne Auffassung der landwirtschaftlichen Siedlung verlangt, dass man den Kolonisten dieses Risiko abnimmt und dass man ihm ein komfortables Leben ermöglicht. Sonst geht er vom Land in die Stadt. Und auch unser Arbeiter im Emek ist nicht dazu geschaffen, ständig unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Und nun einige Worte zur Frage der Finanzierung der Kolonisation. Wir haben jetzt eine auf Sammlung beruhende Kolonisation, eine Schnorr- Kolonisation. Zionismus ist eine Sammelinstitution geworden, eine Art Joint, Odessaer Komitee redivivum. Der Präsident der Bewegung stellt sich hier hin und setzt sich mit Ussischkin auseinander, wie man Samnlungen machen soll, wie man die einzelnen Sammelgebiete verteilt. Es war ein sehr deprimierendes Auftreten. Er hat uns auch gesagt, dass er, um Palästina aus einer Wüste in ein Kulturland umzuwandeln, Geld braucht und deshalb zu den reichen Juden gegangen sei. Unser Budget ist von 750 000 Pfund auf 375 000 Pfund heruntergegangen. Jetzt will man mit Hilfe der Jewish Agency wieder 750 000 Pfund. Was kann man damit machen? Die Anzahl der Seelen, die man so ansiedeln kann, ist so gering, dass sie weit hinter der Zahl des normalen Geburtenzuwachses der Araber bleibt, der 16 000 bis 17 000 im Jahre beträgt.