Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 402)
- Language
- German, English, Hebrew
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264 10. KONGRESS-SITZUNG: Referat über Jewish Agency und Keren Hajessod wir nur eine Vorstellung voll von Einfachheit und Klarheit. Wir wollten die Zionistische Organisation aufbauen. Nur diese eine organisatorische Form wollten wir entwickeln. In jedem Erdteil, in jedem von Juden bewohnten Lande wollten wir dasselbe Gefäss schaffen, um das neue, palästinozentrisch orientierte nationale Judentum in sich aufzunehmen. Dem äusserlich vielgestalteten, aber innerlich so gleichförmigen Auflösungsprozess bewusster und unbewusster Assimilation setzten wir die Einfachheit und die Einheitlichkeit einer nationalen Organisation entgegen. Den pittoresken Trümmern des mittelalterlichen Ghettolebens sollte der nüchterne Aufbau moderner Organisation folgen. Wir haben diese Ideen bald wesentlich modifizieren müssen. Es gelang, in heisser und aufopfernder Arbeit den stolzen Bau der Zionistischen Organisation aufzuführen. Im Weltkrieg blieb er als einzige interterritoriale Organisation der Kulturmenschheit bestehen. Erst spätere Zeiten, die eine unbefangene Würdigung dieser Jahre gestatten, werden voll zu würdigen wissen, wie damals — den schwierigen Verhältnissen einer Kriegszeit entsprechend mit ihrer fast vollständigen Unterbrechung des freien, interterritorialen Verkehrs, mit ihren früher unbekannten Okkupationsmethoden — unter manchen Schwankungen und Fehlern in paralleler Arbeit in allen Erdteilen die vor dem Kriege geschaffene organisatorische Form erhalten und sogar entwickelt wurde, die dann erst die Ausnutzung der politischen Ergebnissf der Friedensverträge ermöglichte. Was aber nicht möglich war — das war die Aufrechterhaltung der reinen Form der ursprünglichen formalen Organisation und die Negierung des innern Lebens der Diaspora mit seinen religiösen, sozialen und ökonomischen Problemen. Und so geht seit dem Jahre 1918 in der Zionistischen Organisation ein Differenzierungsprozess vor sich, der zunächst einmal vielfach zu unerfreulichen Erscheinungen führt und mit den üblichen Uebertreibungen junger Entwicklungen das notwendige Mass von Einheitlichkeit zu erschüttern droht. In seiner endgültigen Gestaltung wird er aber nicht, wie manche Kritiker meinen, zu einer Erschütterung und Schwächung der Organisation führen. Er stellt vielmehr ihre Anpassung und Einordnung in die Vielgestaltigkeit des jüdischen Lebens dar. Die zionistische Bewegung zahlt damit der Anormalität der jüdischen Diaspora ihren Tribut. Sie sichert sich aber ihre Existenz und die Voraussetzungen einer erspriesslichen Arbeit, indem sie ihren ursprünglich rein logisch aufgeführten Bau, der in bewusster Abweichung von dem passiv und initiativlos gewordenen Leben organisiert war, den nun einmal nicht zu umgehenden Notwendigkeiten des realen Lebens der Nation anpasst. Gleichzeitig mussten wir erkennen, dass einer Organisation in der Erfassung eines ganzen Volkes überhaupt Schranken gesetzt sind. Auch wenn diese Organisation sich bemüht, allen Bedürfnissen des Volkslebens sich anzupassen, so kann es ihr nur gelingen, denjenigen Teil der Nation zu gewinnen, der überhaupt bereit ist, sich einer Organisation anzuschlies-