Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 403)
- Language
- German, English, Hebrew
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Hantke 265 sen und sich in seinem Denken und in seinem Leben mit einer organisatorisch fest gefügten Bewegung zu identifizieren. Für die anderen sehr umfangreichen Kreise mussten neben der Zionistischen Organisation andere losere, weniger verbindliche Formen geschaffen werden, wenn auch sie in die Phalanx der Bauleute für das nationale Heim in Palästina eingereiht werden sollten. Die Zionistische Organisation hatte auch in 20jährigem Kampf entsprechend den jüdischen Verhältnissen in den einzelnen Ländern überall Kämpfe durchgefochten, zu Tagesfragen Stellung genommen. Nicht immer betrafen diese die zentralen Fragen der Bewegung. Sie erschienen aber unvermeidlich, teils infolge natürlichen Ungestüms einer in siegreichem Kampfe stehenden Gruppe, teils infolge unverständiger Haltung der Gegner, teils aus sachlichen Notwendigkeiten lokaler Verhältnisse. Und wenn auch unter den radikalen Umgestaltungen des Krieges die meisten der so geschaffenen Differenzpunkte in den Hintergrund traten, so blieb doch ein Bodensatz bitterer Gefühle zurück, der gerade nachdenkenden und feiner besaiteten Naturen den bedingungslosen Anschluss an die Zionistische Organisation ihres Landes ausserordentlich erschwert. Vom organisatorischen Aufbau der Nation aus gesehen, bedeutete das Auftreten des Zionismus neben anderem vom Anfang an den Kampf einer neuen Schicht von Führern gegen eine seit Generationen herrschende Aristokratie, wie sie sich in den Gemeinden, Wohlfahrtsorganisationen und sozialen Verbänden entwickelt hatte. Es war gleichzeitig ein Kampf einer jüngeren Generation gegen eine ältere. Und so galt der Kampf nicht nur der Verschiedenheit der Programme, sondern auch der Auswechslung der Führer. Die Nachkriegsentwicklung hat in vielen Ländern und Kreisen die alten programmatischen Differenzierungen stark abgeschwächt. Wohl sind links und rechts intransigente Gruppen geblieben, die unbelehrt durch die Ereignisse, teilweise unter dem Einfluss alter und neuer Entwicklungen der nichtjüdischen Welt und deswegen mit wechselnder Begründung ihren vollkommen ablehnenden Standpunkt noch heute vertreten. Die Masse des jüdischen Volkes, die grosse Mehrheit seiner Intellektuellen anerkennt aber heute die Grösse und Schönheit der Idee eines jüdischen nationalen Heims in Palästina und versteht, dass ein so schwieriger, aber auch so bezwingender Gedanke zu seiner Verwirklichvng echte Pioniergesinnung braucht, wie sie nur auf dem Boden idealistischer, Vergangenheit und Zukunft verbindender national-kultureller Bewegungen erwächst, und dass diese notwendigen Voraussetzungen im Zionismus ihre historisch gegebene Form gefunden haben. Ohne in kleinlicher Weise an Einzelheiten zu mäkeln, sind diese Menschen bereit, an diesem Palästina der Zukunft mitzuarbeiten.