Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 385)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ruppin, Blumenfeld 247 Wenn wir Pläne machen, müssen wir mit den Bedingungen der Wirklichkeit rechnen. Aus mir sprechen 22 Jähre Palästina-Erfahrung. Ich glaube, dass wenn wir in Palästina zu einer Million Juden gelangen, dies einen ungeheuren Zuwachs an Kräften für uns bedeuten und Wirkungen auslösen wird, die wir uns heute gar nicht vorstellen können. Das deutsche Judentum, das im 19. Jahrhundert die Hegemonie des Judentums inne hatte, hat niemals mehr als eine halbe Million gezählt. Eine Million Juden in Palästina ist kein leichtes Ziel. Wir werden in viel höherem Masse arbeiten und alle unsere Kräfte einsetzen müssen, um es zu erreichen. Wir dürfen uns, wenn wir Arbeitspläne machen, nicht dadurch irre führen lassen, dass nicht alle unsere Wünsche auf einmal erfüllt werden können. Wenn 2000 Jahre nötig waren, um das jüdische Volk zu zerstreuen, so können nicht zwanzig Jahre genügen, um es wieder zu sammeln. Kurt Blumenfeld (A. C — zu einer tatsächlichen Berichtigung): Herr Ussischkin hat es für richtig gehalten, mich in seiner Rede persönlich anzugreifen und dabei Behauptungen aufzustellen, die objektiv unwahr sind. Zunächst hat Herr Ussischkin gesagt, dass ich mich gegen die Flügel im Direktorium des Keren Kajemeth gewandt habe. Wer meine Rede gehört oder das Stenogramm gelesen hat, wird sehen, dass ich ein bestimmtes System der Einteilung angegriffen habe, von den Vertretern aber ausdrücklich sagte, dass ich sie für ausgezeichnete Vertreter halte. Herr Ussischkin, der, so viel ich weiss, dem von ihm erfundenen dritten Flügel selbst angehört, also selbst allgemeiner Zionist ist, hat sich gegen die deutschen Zionisten gewandt und hat als ein Vertreter des Gedankens der Einheit der jüdischen Nation es für richtig gehalten, eine Sorte von Zionisten herabsetzend zu behandeln. Ich kenne keine deutschen Zionisten und weiss nicht, ob wir hier sitzen könnten, wenn man uns, was wiederholt geschehen ist, eine besondere Qualität mindern Grades zuerkennen wollte. Tatsächlich möchte ich bemerken: der allgemeine Zionismus Deutschlands ist auf diesem Kongress genau so stark wie auf dem vorigen. Er hat ein Drittel unserer Stimmen. Herr Ussischkin wollte aber auch die Qualität der deutschen allgemeinen Zionisten herabsetzen und hat den palästinensischen allgemeinen Zionismus als einen bessern ausgenommen. Ich weiss nicht, ob Herr Ussischkin unsere Jugend kennt, aber ich glaube, man sollte sich hüten, derartige Qualitätsurteile über Teile zionistischer Gruppen abzugeben. Es gäbe weit mehr allgemeine Zionisten in Deutschland, wenn wir es nicht immer abgelehnt hätten, für den allgemeinen Zionismus zu arbeiten, und es nicht vorgezogen hätten, für Erez Israel zu arbeiten, für den Keren Hajessod und für den Keren Kajemeth. Unsere Rechtfertigung ist der Bericht über die Sitzung der Jewish Agency-Konferenz in Deutschland. Schluss der Sitzung: 18 Uhr 10 Minuten. 24