Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 384)
- Language
- German, English, Hebrew
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246 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte überspitzt-intellektuellen Probleme. Sie sind einfach müde geworden, und wenn jemand müde wird, muss man ihm eine gesunde Herzstärkung geben, durch Belehrung, kulturelle Arbeit und dergleichen. Wenn die Gesundung kommt, die grosse Liebe, das treue Festhalten, die Zähigkeit, Charakter, grosser sittlicher Ernst sich wieder einstellen und die grossen Mittel zufliessen, dann kennen wir uns in Gottes Namen parteimässig einteilen und differenzieren. Wir brauchen in der Diaspora ein reges zionistisches Leben von Gestaltungsfähigkeit und organischer Schöpfungskraft, wir brauchen festgefügte, arbeitsfreudige, hingebungsvolle, zahlreiche Vereine, die nicht zerfallen und nie verzagen. Eine neue heroische Stimmung muss in uns wachsen; vorbehaltlose Hingabe an die hohe Idee, neue Energien, mehr Zionismus, grössere Opferfreudigkeit, festeres Selbstvertrauen, reichliche Mittel und auch weise Methoden der Verwaltung. Wenn diese Faktoren ungenügend sind, so ist alles andere nur ein Aufbau von Theorien, während wir doch ein Land aufbauen müssen. Darum ist unser Zionismus, der Herzliche Zionismus, keine Utopie und keine Träumerei. Er ist ein grosses Ideal, das in der Geschichte lebt und wie ein Keim im Judentum schlummert. Er bedarf nur gewaltiger materieller und moralischer Mittel des ganzen jüdischen Volkes und er wird aufblühn zur herrlichsten Blüte. Wie diese Mittel mit Sicherheit und in fortschreitendem Umfange zu beschaffen — diese Frage sollen Sie mit allem Ernst prüfen in den verschiedenen Instanzen, die Sie eingesetzt haben. (Lebhafter Beifall.) Dr. A. Ruppin (A.C. — spricht deutsch): Ich will eine Begriffsverwirrung aufklären, die ich in den Ausführungen verschiedener Redner bemerkt habe. Der Gegensatz zwischen dem, was ich hier gesagt habe, und dem, was Herr Grünbaum ausgefühlt hat, ist der Gegensatz zwischen einem Arbeitsplan und Messianischen Hoffnungen. Herr Grünbaum steht sozusagen in der Zeitlosigkeit. Er kann für eine unbestimmte Zeit vieles wünschen, hoffen und versprechen. Wer dagegen für eine bestimmte Zeit etwas verspricht, muss mit der Wirklichkeit rechnen. Grünbaum meint, dass der Plan, die jüdische Bevölkerung Palästinas in zwanzig bis dreissig Jähren auf eine Million zu bringen, nicht hinreicht. Er sagt uns aber nicht, auf welche Weise wir mehr als dies erreichen können. Ich habe sogar, wenn ich von einem Zeitraum von zwanzig bis dreissig Jahren spreche, starke Hemmungen, weil es sehr schwer ist, selbst einen solchen Zeitraum zu übersehen. Darüber hinaus aber will und kann ich nichts voraussagen. Wir haben alle den Weltkrieg erlebt und wissen, was für Veränderungen in kurzen Zeiträumen eintreten können und wie schwer es ist, zu prophezeien. Es dreht sich also nicht darum, dass ich weniger wünsche oder hoffe als Herr Grünbaum. Es dreht sich um den Unterschied zwischen einem Arbeitsplan für eine bestimmte Zeit und Hoffnungen für eine unbestimmte Zeit.