Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 379)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 241 Und der Steuerzahler, an den wir jetzt für den Keren Hajessod und für den Keren Kajemeth herantreten — Herr Ussischkin möchte noch mehr an ihn, noch näher herantreten —, der hat ja auch eine Bedeutung. Wenn wir aus dem „Schekel-Datjel" eine grosse Figur machen, so müssen wir ja auch dem Steuerzahler von heute Anerkennung zollen. Verehrter Kongress! Ich spreche von einer Sache, die genau so die äusserste Linke wie die Rechte und das Zentrum angeht. Wir gehören ja alle zusammen und ergänzen uns wechselseitig. Aber davon ist alles abhängig, alle Verträge, die wir schliessen, alle Budgets, die wir hier akzeptieren, sie sind alle davon abhängig, wie dieser Steuerzahler reagieren wird. Ich habe letztens wieder einmal Amerika nach allen Richtungen bereist und stand mit Zehntausenden und Hunderttausenden in persönlicher Verbindung, habe mit den Massen gesprochen und habe für sie eine aufrichtige Achtung. Wir müssen uns doch Rechenschaft abgeben, dass diese Arbeit und diese Leistungen einen Ausdruck idealer Opferfreudigkeit der Welt bieten. Wenn wir Jahr für Jahr an die Leu'e herantreten und verlangen, sie mögen grosse Beträge für eine Sache zahlen, die den meisten von ihnen ja doch fern ist, — denn nicht jeder hat die Mittel dazu, um zu Pessach nach Erez Israel zu reisen — so ist das doch eine rein ideale Betätigung. Andere Bewegungen, wie etwa der Sozialismus, stellen sich als eine Synthese von hohem Idealismus mit einem gesunden zweckdienlichen Materialismus dar, unsere Sache hingegen i«t blosses Ideal. Wir können doch nicht der Masse der amerikanischen Juden in Aussicht stellen, dass wir ihre materielle Lage bessern werden. Man mag die Sache drehen und wenden, wie man will, man kommt über die Einsicht nicht hinweg, dass der einzige Schlüssel zur Befriedigung der Bedürfnisse die Budgetdeckung ist und dass diese Budgetdeckung von dem Opfersinn des Steuerzahlers einzig und allein abhängt. Das ist das wichtigste, das entscheidendste Problem, an dem man so leichtfertig vorbeigeht. Als ich in St. Paul war, fragte mich ein Mann, dem ich wieder einmal begegnet war: Was haben Sie uns nun gebracht? Ich sagte, wii geben Euch den Geist, darauf wies er mich auf das nahe Minneapolis hin, wo sehr viel für den Geist getan würde, wo nationale, hebräische Jeschiwoth wie auch Talmud Thoras bestünden, erst kürzlich seien Delegierte bei ihm gewesen, die für den Geist von ihm die Mittel verlangt hätten. Ich antwortete, der Geist von Minneapolis sei nicht genügend, aber als ich am nächsten Tage in Minneapolis war, da war ich wirklich angenehm überrascht. Dort herrschte tatsächlich ein reges geistiges Leben. Solche Dinge muss man frisch erhalten und muss der Sache neue Nahrung geben. Man muss sich bemühen, dem nationalen Geiste die Erez Israel- Eigenschaften und Züge zu bewahren, die seine geschichtliche Erbschaft sind. Dazu ist der Kongress da. Das ist seine eigentliche Bestimmung, nicht nur die Bestimmung der potentiellen, noch nicht vorhandenen Gelder und ihre Verteilung. Die Hauptfrage bleibt immer: wie sammelt man immer neue Kräfte und Mittel? Das eigentliche Problem ist, wie soll