Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 380)
- Language
- German, English, Hebrew
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242 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte man die Schätze heben. Ueber Verteilung kann man sich leicht einigen. Nun ist das neue grosse Wort „Jewish Agency" gekommen. Da entwickelt sich eine unendliche Diskussion. Vor allem hat die Presse neuen Stoff bekommen, und man hat darüber unendlich polemisiert. Die einen sagten, die Agency sei ein Glück, die anderen erklärten sie für ein Unglück. An sich ist sie noch weder das eine noch das andere. An uns liegt es, diesen Wendepunkt zu einer Glücksquelle zu machen. Sie bedeutet eine Weiterentwicklung unserer Aufbauarbeit. Haben Sie doch Verständnis für die wirkliche Lage in Erez Israel und verstehen Sie vor allem auch die Stimmungen der anderen Fifty! Ich will nicht etwa davon sprechen, dass die anderen sozusagen halbe Zionisten geworden sind. Der Fortschritt des Palästinismus im modernen Judentum ist ja ein Prozess, dessen Zeugen wir unser ganzes Leben lang waren. Ich will lediglich praktisch sprechen. Die anderen Fifty haben vorläufig nur den edlen guten Willen, sie haben noch keine organisierte Tradition, ja, sie hatten sogar eine Antitradition. Sie haben mit der Tradition der Untätigkeit gebrochen, sie haben noch keine Massen, sie haben noch keine begeisterte Jugend. Nicht mehr als die tatkräftige feste Entschlossenheit zum Guten. Sie haben den A n t i Zionismus innerlich überwunden. Das ist ein rühmenswerter Fortschritt. Seien wir doch nicht ängstlich und argwöhnisch. Ich habe die Pflicht, meine Gefühle aus der Erfahrung heraus, aus Beobachtungen, aus Berührungen mit dem amerikanischen Judentum zum Ausdruck zu bringen. Ich kenne das Tätigkeitsbild der Zionisten und auch des zionistischen Hinterlandes. Es ist ungefähr dasselbe, wie es vor vier und vor sieben Jahren in Amerika gewesen ist, mit dem Unterschied, dass es von Jahr zu Jahr trotz manchen Fortschritten der Verinnerlichung und Vertiefung schwerer wird, unaufhörlich grosse und grossere Mittel zu beschaffen. Man sagt, aller Anfang sei schwer, aber auf diesem Gebiete ist aller Anfang leicht; die Fortsetzung, die fortdauernde, regelmässige fruchtbare Arbeit ist sehr schwer. Ich hatte den Eindruck, dass wir noch immer Neuland vor uns haben. Wie immer war der Erfolg nur ein Bruchteil des Erstrebten: an sich ausserordentlich gross, aber im Verhältnis zu unseren wachsenden Bedürfnissen viel zu klein. In diesem Missverhältnis liegt der Hauptgrund unserer wirklichen Probleme. Man legt sich keine Rechenschaft davon ab und beschränkt sich auf Projekte. Da wirft man beispielsweise in die Debatte das Wort von der Anleihe hinein. Ich bin seit langem ein leidenschaftlicher Anhänger der Anleihe- Idee, und es wird ein Glückstag für mich sein, wenn eine grosse Anleihe wirklich zustande kommt. Aber seien Sie doch nicht so kurzsichtig! Wenn auch die Anleihe gelingt, so heisst es doch, sie be7ahlen. Wir dürfen doch nicht glauben, dass die Interessenten selbst leicht imstande sein werden, grosse Zahlungen pünktlich zu leisten. Es ist also auf jeden Fall absolut notwendig, dem ganzen Volke einzuprägen und einzuschärfen, dass