Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 378)
- Language
- German, English, Hebrew
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240 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte worden ist — nur andeutungsweise in den Antworten der Exekutive. Es ist ein unschönes, ein materialistisches, aber leider ein sehr wichtiges Wort: Geld. Alle Probleme sind am Ende durch tausendfältige Fäden mit dem Problem der Mittel eng verknüpft. Es ist eine Ironie des Kongresses, dass gerade ich derjenige bin, der auf dieses Moment hinweisen muss. Treiben wir doch keine Selbsttäuschung und seien wir nicht so überästhetisch, abstrakt und wirklichkeitsfremd. Es ist unangenehm, jemand die Schuppen von den Augen zu reissen, aber die Pflicht zwingt. Wer eine Organisation oder eine Partei aufbauen will, braucht eine Grundlage. Wer gar einen „Wolkenkratzer*' mit hohen Türmen von Parteien aufbauen will, muss ein Fundament haben, und je mehr dieser die Wolken erreichen soll, desto breiter muss der Unterbau sein. Wir leben in einer Zeit gewaltiger Kraftentfaltung auf den verschiedensten Gebieten. Eine solche Zeit hat wenig Achtung vor blossen Theorien, Stimmungen und Gedanken, und wären sie noch so tief und fein. Was sie für die Erreichung des Ideals braucht, das sind tätige Lebenskräfte, Erscheinungen des Lebenskampfes. Wäre unser Zionismus nur ein Streben, so wäre er längst vom Sturmwinde der Zeit weggefegt. Aber er ist ein neues gewaltiges Leben, konzentriert in einer allweltlichen demokratischen Organisation, verkörpert in einem grossartigen Aufbauwerk, für das wir Menschen und Mittel fortwährend zu gewinnen suchen. Nicht das Spinnen von Theorien und Doktrinen, sondern dieses Sammeln, diese furchtbar schwere Arbeit ist unsere Hauptaufgabe. Setz dich durch! Entwickle deine Kraft! Dieses erste Gebot unserer Zeit ist auch unsere Forderung. Verehrter Kongress! Demokratie ist ein wichtiger Grundsatz unserer Politik. Ich bekenne mich zu ihm mit meiner tiefsten Ueberzeugung. Wir sollen demokratisch sein, wir haben sogar in unserem Kongress eine Art Parlament, trotzdem nehmen wir hier leider nicht die geringste Rücksicht auf jemand, der in anderen Parlamenten, der insbesondere im englischen Parlament, der „Mutter der Parlamente'*, die Hauptperson ist: der Steuerzahler! Bei uns hört man nichts vom Grundproblem, wie man die Steuerzahler erhält und wie man sie gewinnt. Ich habe mit grosser Freude die Apotheose gehört, die Herr Jabotinsky dem alten Schekelzahler gemacht hat. Er hat mir aus dem Herzen gesprochen. Ich habe begeisternde Erinnerungen an jenen alten Schekelzahler, und wir haben jahrelang von ihm Respekt gehabt, bis die Analyse gekommen ist — bei uns folgt immer nach einer Zeit des Pathos eine Zeit der Analyse, ich aber bin für das Pathos — und so hat man sich schliesslich über ihn, wie man ihn russisch nannte, „Schekel-Datjel**, lustig gemacht. Aller Sarkasmus muss auf diesem Gebiete ausgemerzt werden, unbarmherzig wie der böse Feind. Ich will mich an das reale Leben halten. Wir haben jetzt einen modernen Schekelzahler, das ist der Steuerzahler für unsere grossen Fonds.