Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 370)
- Language
- German, English, Hebrew
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232 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Geist immer in sehr schönen Worten interpretiert. Aber in den Bureaus der Palästina-Exekutive spricht man von Geist und meint damit Geld. Und wenn die Exekutive kein Geld hat oder für verschiedene Sachen kein Geld geben will, so sagt man, dass dies ein Mangel an Geist ist. Einige meiner Vorgänger haben tatsächlich Geld gegeben, aber sie haben es der jetzigen Exekutive überlassen, das Geld zu zahlen. Auf den Zuruf der Linken, dass es uns an gutem Willen fehlte, möchte ich erwidern: was nützt der gute Wille, wenn man nicht imstande ist, das auszuführen, was man ausführen möchte. Es ist keine Frage des guten Willens. Ich nehme an, dass bei allen Parteien guter Wille vorhanden ist. Aber ich fürchte, dass ein Unterschied an Urteilskraft vorhanden ist. Es kann nicht bestritten werden, dass wir die Tendenz aufgehalten haben, die zu einem Zustand des Bankrotts geführt hätte. Wir haben die Lage bedeutend verbessert. Als wir unseren Posten übernommen haben, betrugen die Schulden des Keren Hajessod 219 000 Pfund, die der Palästina-Exekutive 179 000 Pfund. Das macht eine Gesamtsumme von 398,000 Pfund aus. Jetzt ist die Schuld um 145 000 Pfund reduziert worden. In gewisser Hinsicht wurde unsere Schuld vergrössert, aber Sie werden es mir verzeihen, wenn ich auf die Details hier nicht eingehe. Diese neuen Schulden sind keine Resultate unserer Tätigkeit, aber wir mussten sie übernehmen. Auch eine andere Exekutive, eine Koalitionsexekutive hätte dasselbe getan. Es wird gesagt, dass wir nichts geschaffen haben. Ich möchte für unsere Exekutive folgendes in Anspruch nehmen: wir hatten kein Geld und sehr viel von den Forderungen, die an uns gestellt wurden, standen mit der Tradition einer Verwaltung im Zusammenhang, die wir nicht anerkennen konnten. Es ist die alte Theorie: je mehr Geld man ausgibt, desto mehr Geld bekommt man. Jeder Zionist will eine grössere Immigration; dieses Jahr haben wir die Möglichkeit gehabt, 2400 Zertifikate zu bekommen. Diese Immigration hätte uns 20 000 Pfund gekostet. Wir hatten aber kein Geld. Wir haben diese Zertifikate angenommen und einen Aufruf an die Zionisten der ganzen Welt erlassen und finanzielle Hilfe erbeten. Das Ergebnis sind 5000 Pfund, dieses Geld ist aus einem Lande gekommen, wo angeblich kein guter Zionist zu finden ist, aus England. Wenn Sie ein Urteil über die Palästina-Exekutive fällen wollen, dann müssen Sie die Situation in Palästina, wie sie vor zwei Jahren bestanden hat, mit der jetzigen Lage vergleichen. Da muss man doch eingestehen, dass ein grosser Wandel zum Besseren eingetreten ist. Und ich glaube, dass die Exekutive ein Recht hat, mindestens einen Teil hiervon für sich in Anspruch zu nehmen. Freilich wird gesagt, dass diese Verbesserung trotz der jetzigen Exekutive eingetreten ist. Nun, ich sehe nicht die Kräfte in Palästina oder hier, welche dies gegen den Willen der dortigen Exekutive hätten durchführen können.