Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 356)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7368-3483516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
218 8. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Sind unsere Institutionen gewachsen, ist unser Budget und unsere Bank grösser geworden? Nein! Alles ist zurückgegangen oder auf seinem alten Mass verblieben. Sind neue Ideen gekommen, haben sie neue Menschen, neue Gedanken, neue Arbeitsmethoden gebracht? Nein! Wir sind bei den alten Formen, bei den alten Gedanken, bei einem veralteten Apparat und System geblieben. Man kommt auf jedem Kongress mit einem Plan zu uns, und auf dem nächsten Kongress hört man nichts mehr davon. In Basel haben wir uns mit der nationalen Anleihe beschäftigt und sie bei der A. C.-Siizung in Berlin als den Beginn einer neuen politischen Aera bezeichnet. Heute hören wir kein einziges Wort darüber, sie ist von der Tagesordnung verschwunden. Ist das ein Aufstieg oder eine Niederlage? Wir müssen erklären, dass wir Revisionisten gezwungen waren, unseren Vertreter aus der Anleihekommission abzuberufen, nicht weil sie schlecht gearbeitet hat, nicht weil sie keine Pläne hatte, sondern weil die Exekutive durch ihre Methode der Verschleppung die Arbeit hemmte und nun nicht den Mut hat, dies auf diesem Kongress einzugestehen. Wir kamen zum vorigen Kongress und sagten, dass die Möglichkeit bestehe, bei der englischen Regierung für die Entwicklung von Erez Israel Geld zu bekommen. Man hat uns; usgelacht und gesagt, dass wir Extremisten und Phantasten sind und dass es unerreichbar sei. Und doch hat erst vor kurzem das englische Parlament ein Gesetz beschlossen und eine bestimmte Summe zur Verbesserung der Lage der Mandatsländer und der Kolonien, für Aufforstung, Strassenbauten und dergleichen bewilligt. Die Exekutive hat aber nicht nur keinen Plan, kein System, sondern auch keine Ideen, keinen Mut, keine Phantasie in der politischen Arbeit, ohne die man unsere Arbeit sicher nicht durchführen kann. Dr. Weizmann hat mit der Selbstzufriedenheit, die für seine Reden charakteristisch ist, gesagt, dass der Zionismus in der britischen Politik keine offene Frage ist. Das ist wirklich ein grosser Trost für uns. man ist nicht dagegen. Aber ist man dafür? Ist das englische Parlament bereit, aktiv mitzuhelfen, kennt das englische Parlament die Lage Palästinas, geschieht etwas, um das Land vom toten Punkt zu bewegen? Diejenigen, die im Mandatsland wohnen, werden nicht den Mut haben zu behaupten, dass die zionistische Exekutive in dieser Sache etwas Positives getan hat. Und was geschieht in Palästina selbst? Seht den Kampf, den die jüdische Industrie in Erez Israel führt. Wir hatten eine Politik von „stop Immigration", jetzt ist eine Politik von „stop industry" begonnen worden, und auf alle Bemühungen und Memoranden palästinensischer Industriellen kommen negative Antworten. Das ist nicht Zufall, das ist ein System, das charakterisiert worden ist in dem Wort von Amery gegenüber einem Vertreter von Tel Aviv: Ihr gebt uns Wein und Orangen, und wir werden Euch Textilmaschinen und Fabrikate geben. Dieser Gedanke wird vor Euren Augen durchgeführt und Ihr, die Exekutive bemerkt