Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 343)
- Language
- German, English, Hebrew
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Buber 205 bestimmten Orte werden soll. Was einst werden sollte und was immer noch werden soll: in der Sprache der Bibel — die Stadt des Königtums Gottes über alles Menschenvolk. Wer sich in Wahrheit zu Zion bekennt, bekennt sich wohl zu einer nationalen Tatsache, aber mehr noch als dieses zu einer übernationalen Aufgabe. Es ist das Lebensgesetz Israels, das wir aus jeder Seite unserer Geschichte ablesen können: Für Israel ist Selbstbehauptung zu wenig. Das ist zuweilen schlimm genug gegen die Selbstbehauptung missverstanden worden. Die Selbstbehauptung muss mit einer Hingabe an eine überselbstische Sache verknüpft sein, um deren willen dieses Selbst erhalten wird. Die Parole des Sacro Egoismo, die vom modernen Nationalismus ausgegeben worden ist, hat für uns keine Geltung. Gewiss tut die gesunde Selbstliebe einer Gruppe ebenso not wie dem Einzelnen. Aber diese Selbstliebe darf nicht in Selbstsucht ausarten. Gleichviel wie der Weg der andern ist, für uns gilt, und zwar nicht bloss ideologisch, nicht bloss auf der moralischen Ebene, sondern auf der Ebene der Wirklichkeit: wenn wir nicht mehr als das Leben wollen, gewinnen wir auch das Leben nicht. Ich will hier nicht über die andern reden; aber eine Hoffnung darf ich ausdrücken: Dass der kommende Nationalismus anders aussehen wird als der gegenwärtige. Es dämmert, so hoffe und spüre ich, ein Nationalismus auf, für den Nation nicht Ziel, sondern Voraussetzung ist. Und es ist die Zuversicht meines Herzens, dass der wahre Zionismus der Vortrupp, der Pionier, der Chaluz dieses neuen Nationalismus ist. Es gibt eine richtige und eine falsche Auffassung der Mission. Wir haben den Gedanken unserer Berufung nicht aufgegeben, sondern wir haben ihn neu erfasst. Wir haben erkannt, dass wir die nationale Konsolidierung vollziehen müssen um einer übernationalen Aufgabe willen. Aber hüten wir uns, diese Aufgabe als eine Idee über dem Leben zu errichten und zu ihr verehrend aufzuschauen! Sie wird zur Lüge, wenn sie zu einem unverbindlichen Prinzip wird, das begeisternd und beruhigend zugleich wirkt. Sie muss beunruhigen, anstacheln, aufrühren, und sie muss sich im Volksleben und in der Volksarbeit Stunde um Stunde manifestieren. Verehrter Kongress! Das ist kein „neuer** Zionismus, das ist der Zionismus aller unserer geistigen Führer, der von Moses Hess, der von Achad Haam, der des Theodor Herzl von „Altneuland*' und der von A. D. Gordon. Wir müssen uns aber auch hüten, wenn wir dies anerkennen, etwa zu sagen: Gewiss, das ist etwas, was wir dann realisieren werden, aber zunächst müssen wir doch uns die Gedanken für unser Leben schaffen, Nichts ist schlimmer als solches Früher und Später. Sie kennen unsere jüdische Lehre: allen, die umkehren, die die Teschubah vollziehen, wird