Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 342)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7354-3483502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
204 8. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Palästina aus. Damit aber erwächst für uns eine sehr ernste Sorge, die hier noch nicht zum Ausdruck gekommen ist und die zum Ausdruck zu bringen ich als meine Aufgabe betrachte. Die neue geschichtliche Situation hat für uns, für den Zionismus eine sehr ernste Problematik. Das Basler Programm ist der Balfour-Deklaration inkorporiert worden, die Balfour-Dekiaration dem Mandat, das Mandat der Verfassung der Jewish Agency. In bezug auf die faktische Arbeit in Palästina als eine Arbeit an dem Nationalheim gibt es nunmehr nur noch die jüdische Gemeinsamkeit; und für das Galuth haben ja auch wir in der ganzen Zeit, in der wir wirken, noch keine einheitliche Formulierung gefunden. Der Aufbau Palästinas ist nun nicht mehr unsere Sache. Wir fragen: was ist nun unsere Sache? Wie können wir in diese Koalition treten und uns bewahren? Wie können wir in diese Koalition treten, ohne das Volk, ohne die neue Volksgeneration, ohne die Jugend zu verlieren? Und das bedeutet zugleich: ohne unsere Mächtigkeit in der Koalition zu schwächen. Man sagt, wir müssten in dieser Stunde die Jugend anrufen, müssten die Jugend befragen, ob sie mit uns geht. Aber es verhält sich vielmehr so, dass die Jugend uns befragt: Wo steht ihr, wohin führt ihr? Und da müssen wir uns wenigstens einen Augenblick der Selbstbesinnung aussparen und uns klar machen, was diese Situation für uns bedeutet! Es gibt in bezug auf das nationale Problem und die nationale Wirklichkeit nicht etwa zwei Grundanschauungen, wie es gewöhnlich dargestellt wird, sondern drei. Die eine Grundanschauung, die der sogenannten Nichtzionisten, meint: Israel ist weniger als eine Nation im modernen Sinn. Die zweite Anschauung meint: Israel ist identisch mit einer Nation. Die dritte meint: Israel ist mehr als eine Nation, d. h. die nationalen Merkmale im Sinne des modernen Völkerbegriffs gehen wohl auch in die Wirklichkeit Israels ein, aber sie erschöpfen diese nicht. Israel ist einzigartiges Gebilde, das wohl den Charakter einer Nation im modernen Sinns einschliesst, aber dadurch nicht begriffen wird, vielmehr ein eigenes Gesetz in sich trägt. Zwischen denen, welche der zweiten, und denen, welche der dritten Anschauung sind, gibt es nun schon lange einen geistigen Kampf. Dieser Kampf ist bisher ohne Konsequenzen für den Zionismus geblieben. Nunmehr aber, in dieser neuen Situation, hängt von dem weitern Gang und von dem Ausgang dieses Kampfes das Schicksal des Zionismus ab. Zionismus ist etwas anderes als jüdischer Nationalismus. Mit grossem Recht heissen wir Zionisten und nicht jüdische Nationalisten; denn Zion ist mehr als Nation. Zionismus ist Bekenntnis zu einer Einzigkeit. „Zion'* ist kein Gattungsbegriff wie „Nation" oder „Staat**, sondern ein Name, die Bezeichnung für etwas Einziges und Unvergleichliches. Es ist auch keine blosse geographische Bezeichnung wie Kanaan oder Palästina, sondern es ist von jeher ein Name für etwas, was an einem geographisch