Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 201 (sequence 339)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476286--7351-3483499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Farbstein 201 Jabotinsky hat bereits über die skandalöse Stellung der Mandatsregierung gegenüber den Kolonisten in Chedera gesprochen. Auf den Boden der jüdischen Kolonisten Chederas kommen Beduinen, wollen den Boden nicht verlassen, und wenn sich die jüdischen Kolonisten an die Regierung um Hilfe wenden, verlangt man von den Kolonisten, s i e möchten beweisen, dass die Beduinen kein Anspruchsrecht auf diesen Boden haben. Kann man sich eine derartige Handlungsweise in einem auf Gesetz und Gerechtigkeit basierten Staate denken? Interessant war aber bei dieser Gelegenheit der Zuruf Sachers an Jabotinsky: „Haben wirklich die Kolonisten in Chedera Kuschane auf diesen Boden?" Es erhebt sich nun die Frage: Ist dem Leiter der Palästina-Exekutive die ganze Angelegenheit unbekannt, wenn er erst von Jabotinsky Erklärungen verlangt, oder hat Jabotinsky gelogen? Jabotinsky erwiderte doch, und das wissen wir auch von anderer Seite, dass tatsächlich Kuschane vorhanden sind. Ist wirklich der Exekutive in Palästina über eine derartige Ungesetzlichkeit, welche gegenüber jüdischen Kolonisten geschehen ist, nichts bekannt? Eine Erklärung der Exekutive wäre sehr erwünscht. Es wurde hier unterstrichen, dass eine gewisse Anzahl von Zertifikaten für die Alijah von Seiten der Regierung zuerkannt wurden. Wir freuen uns darüber. Wir müssen aber eine Frage stellen: Diese Zertifikate sind ja ausschliesslich für die Arbeiter bestimmt; was hat unsere Exekutive für den Mittelstand erwirkt? Man kann über die Vierte Alijah denken was man will, man muss jedoch zugeben, dass ihre Resultate in positiver Beziehung ein Segen für Erez Israel gewesen sind. Es sind einige zehntausende Juden ins Land gekommen und dort geblieben, es sind Hunderte von neuen Industrien geschaffen worden, es sind Tausende von Häusern in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa gebaut worden. Ein Teil der Immigranten ist wieder nach dem Golus zurückgegangen. Sie haben ihr Kapital verloren und verlangen von keinem Entschädigung. Warum soll nun die Exekutive auch nicht energisch auftreten, um dem Mittelstand die Ansiedlung in Palästina zu ermöglichen? Die Verordnung, dass jeder Jude, der nach Palästina einwandern will, 1000 Lstr. nachweisen muss, ist noch immer in Kraft, die Exekutive muss alles anwenden, um eine Erleichterung herbeizuführen. Es ist der Exekutive bekannt, dass der kleinste Grund genügt, um einen Juden aus Palästina, seinem Nationalheim, auszuweisen. Die Palästinaregierung hat sogar die Mission auf sich genommen, Frieden zwischen Mann und Frau zu schaffen, und in einem Fall, wo ein Mann seine Frau beleidigt hat, hat die Palästinaregierung den Mann aus Ersz Israel ausweisen lassen. Kennen Sie noch einen Staat in der Welt, wo sich solche unmöglichen Dinge ereignen können? Und jetzt das traurige Kapitel Kotel maarawi! Prof. Weizmann hat zwar dieser wichtigen Angelegenheit einige Worte geschenkt, hat jedoch in seinem Memorandum an den Völkerbund kein einziges Wort davon erwähnt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.