Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 325)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Ussischkin, Weizmann 187 Dr. Chaim Weizmann, Präsident der Zionistischen Organisation (von Beifall begrüsst — spricht deutsch): Ich habe nicht die Absicht gehabt, in die Debatte einzugreifen. Aus technischen, aus physischen Gründen und weil sich ja in diesen Debatten immer dieselben Erscheinungen so wie auf den früheren Kongressen wiederholen und man gezwungen ist, immer dieselben Antworten zu geben. Ich habe mir und Ihnen die Zeit ersparen wollen. Aber es sind doch Dinge in die Debatte gekommen, die vielleicht einer Antwort meinerseits bedürfen, und ich werde versuchen, mich so kurz wie möglich zu fassen. Um die bewährte Einteilung zu befolgen, werde ich vorerst einige Worte über die politische Lage sagen. Ich wurde beschulaigt, dass ich versucht hätte, den Kongress zu beruhigen. Ussischkin kann in seiner Sprache sprechen, und ich muss und werde in einer andern Sprache sprechen. Dazu ist eben Ussischkin da, dass er das sagt, was er gesagt hat. Ich habe nicht eine einzige Tatsache über die politische Lage in Palästina verschwiegen. Ich habe, das ist richtig, zugegeben, dass auf gewissen Gebieten Teilfortschritte gemacht worden sind. Ich habe gleichzeitig gesagt, dass auf verschiedenen, sehr wichtigen Gebieten wenig erreicht worden ist. Dies in einem Bericht, der von der Exekutive kommt, zu betonen, ist meine Pflicht. Es ist ausserordentlich populär, gerade in diesem Milieu die Regierung anzugreifen. Auch ich könnte leicht meinen Applaus erringen, wenn ich hier einen Angriff auf die Regierung machen würde. Ich habe es nicht getan. Ich habe weder die Regierung verteidigt noch angegriffen. Ich habe nur Tatsachen festgestellt. Ueberdies gibt es noch eine politische Kommission, in welcher man Dinge sagt, weiche in der Oeffentlichkeit nicht gesagt werden können. Das ist parlamentarisches Verfahren. Ich habe gar keine Beruhigung gegeben. Es ist ein langer und schwerer Weg; es ist ein stilles Ringen. Jeder Schritt nach vorwärts muss hart erkämpft werden. Warum das so ist, ist eine andere Frage. Diese Analyse gehört nicht hierher. Meine Sache war nur, die Tatsachen zu unterstreichen. Es ist meine Pflicht (und es ist eine verdammt schwere Pflicht), die Tatsachen nüchtern abzuwägen, nach nüchterner Erwägung der Verhältnisse festzustellen, ob ein Fortschritt da ist oder nicht. Und wenn man daran glaubt, dann sagt man es. Und ich glaube, es ist auf manchen Gebieten ein Fortschritt zu verzeichnen. Unsere Stellung der Regierung gegenüber hängt von zwei Dingen ab. Von unserer eigenen Kraft — und wie Sie sie einschätzen, hat man von verschiedenen Rednern gehört — und vom öffentlichen Gewissen der Welt, inwiefern die Welt es versteht, dass unsere Sache eine gerechte Sache ist. Denn nicht wir allein haben über die Dinge zu urteilen; unsere Entscheidung allein gilt noch nicht; es gilt auch in grossem Masse die Entscheidung der Welt. Und ich kann mir nicht helfen: die Welt wird die eng-