Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 324)
- Language
- German, English, Hebrew
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186 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte zuziehen, muss man ihr etwas geben, das Schwung hat, Hoffnung, Idealismus. Was gibt der allgemeine Zionismus der letzten zehn Jahre der Jugend? Sie hat nur heilig zu sprechen, was die Leitung sagt, und das verlockt die Jugend nicht. Schaffen Sie in London zehn Departements, beschreiben Sie Hunderte Bogen von Papier, es wird nicht helfen. Bevor Sie der Jugend etwas sagen, müssen Sie beweisen, dass Sie sich selbst etwas zu sagen haben. Ich bin kein Parteimann nach rechts oder links. Wenn ich hätte in eine Partei eintreten wollen, man hätte mich sehr gern aufgenommen. Ich habe meine splendid isolation behalten. Aber ich sehe mit offenen Augen, was geschieht. Das Ergebnis sind die Wahlen des XVI. Kongresses. Im Generalstab der Heiligsprecher, in Deutschland, hat es drei von neun Mandaten gegeben. Im zweiten Generalstab in Amerika haben die aligemeinen Zionisten nur die Hälfte aller Mandate bekommen. Lieber Dr. Brodetsky, als man Sie voriges Jahr zum Mitglied der Exekutive wählte, habe ich Ihnen einen Brief geschrieben und Ihnen gesagt: Ich habe zu Ihnen Vertrauen, zum Menschen, zum Juden, zum Zionisten. Sie haben es sogar für notwendig gefunden, diesen Brief auf einem grossen Meeting vorzulesen. Und ich sage Ihnen nach zwölf Monaten Ihrer Arbeit, dass dieses selbe Vertrauen auch jetzt besteht. Ich weiss, was Sie wollen. Aber einen Rat nehmen Sie an. Wenn Sie ein Zentrum für die Erziehung der Jugend schaffen wollen, schaffen Sie es nicht unter dem düsteren, kalten Himmel von London, dort wo das jüdische Leben zu neunzig Prozent abgestorben ist. Kommen Sie zu uns nach Jerusalem. An seiner Sonne werden Sie die erfrornen Glieder des jüdischen Volkes vielleicht erwärmen.. Und noch etwas, etwas Persönliches. Hier hat gestern ein Delegierter aus Deutschland gesprochen, Kurt Blumenfeld, und zwar über die sogenannten Flügel im Direktorium des Keren Kajemeth, und hat sie beschuldigt, dass nicht alle frei sind, sondern ihre Instruktionen von ihren Parteien bekommen. Deshalb sei der Keren Kajemeth in Gefahr. Herr Blumenfeld, was Sie sagten, ist nicht richtig. Wir arbeiten mit diesen Vertretern viele Jahre, und ich wäre glücklich, wenn alle Mitglieder des Zentrums in unserm Direktorium so frei und so unparteiisch handelten, wie diese sogenannten Flügelvertreter. Ob sie Instruktionen von ihren Parteien bekommen, weiss ich nicht. Aber dass einige vom Zentrum Instruktionen bekommen, das weiss ich. Lassen Sie diese Flügelphobie. Ich wäre glücklich, wenn wir anstatt fünf oder sechs Parteien ein ganzes Judentum hätten. Ich wäre noch glücklicher, wenn das im Lande möglich wäre. Aber das Leben ist anders, und wenn es so ist, muss man politisch ehrlich sein und darf nicht sagen: alles bei mir ist gut, alles was links und rechts ist, ist schlecht. Wenn es Flügel gibt, dann gibt es einen dritten, der am meisten parteiisch ist, und der sitzt in der Mitte. Ich als absolut unparteüscher Mann stimme für die Sache und nicht für die Partei. (Lebhafter Beifall.)