Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 278)
- Language
- German, English, Hebrew
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140 5. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Momente auszunützen, wenn sie kommen. Als die Balfour-Deklaration verlautbart wurde, hatten wir einen solchen Moment und den grossen Mann Chaim Weizmann, und wir haben sie ausgenützt. Lasst uns für weitere grosse Momente bereit sein; sie werden kommen. Wir sehen mit vollem Vertrauen der Realisierung unseres Ideals entgegen. In diesem Sinne begrüssen wir den XVI. Zionistenkongress. (Lebhafter Beifall.) Kurt Blumenfeld (A C. — spricht deutsch): Die deutsche Landsmannschaft der Zionistischen Organisation hat an der Arbeit der zionistischen Bewegung in den letzten Jahren pflichttreu Anteil genommen und ihre besondere Aufgabe darin erblickt, sich dem Problem der Organisationsreform zuzuwenden. Diese Generaldebatte hat un? einen neuen Beweis für ihre Notwendigkeit erbracht. Wir haben die Redner der einzelnen Gruppen gehört. Man behauptet oft, wir hätten den Versuch gemacht, eine Theorie von einer patriotischen Mitte und Flügeln der Zionistischen Organisation zu entwickeln, von solchen, die nicht so vollwertig sind wie die Mitte. Wohl haben wir uns oft über das taktische Verhalten der Flügel beschwert, niemals aber haben wir den Versuch gemacht, ihren zionistischen Inhalt für gering zu halten oder in seiner Bedeutung zu bestreiten, während umgekehrt diese Flügelgruppen genau so wie in dieser Generaldebatte den Versuch gemacht haben, zu sagen: Nur wir sind die Echten, und diese Mitte ist eigentlich eine Gesellschaft von Leuten, die allmählich verschwinden kann. Am deutlichsten kam das zum Ausdruck in der Rede des Misrachi-Vertreters. Ich hättt mii vorstellen können, dass man die Ideenwelt des Misrachi auch füi Nichtmisrachisten in einer überzeugenden grossen Form darstellen kann, und ich glaube, dass man sehr viel tun kann, um in einem wahren Kampf der Geister diese geistige Welt, die mit grossen Ansprüchen auftritt, so darzustellen, dass auch wir fühlen: hier kommt eine Macht, die wii zwar bekämpfen, die uns aber durch die Grösse ihres Inhaltes und ihrer Ideale überwältigt. Und wir haben den Wunsch, dass alle Parteien und Flügel durch Repräsentanten zum Ausdruck kommen, die in bester Form deren wahre Idee zu gestalten vermögen. Denn wir sind alle Zionisten, und ich glaube, dass es zionistisch kaum zu verteidigen ist, wenn eine Gruppe behauptet, dass nur sie den ganzen Zionismus darstelle und dass es einer Tradition entspreche, wenn nur ein Teil der Judeo in Erez Israel wohnt. Mir will scheinen, dass der erste Beginn unserer Auseinandersetzung darin zu bestehen hat, dass wir die wirkliche Einheit der gesamten zionistischen Welt empfinden, in der die einzelnen Teile ihre Sonderansicht betonen und betätigen. Die Notwendigkeit einer solchen Auffassung entspringt nicht einer gedanklichen Ueberlegung. Wer unsere zionistische Welt kennt, wer in die Länder geht, der sieht, dass der Zio-