Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 268)
- Language
- German, English, Hebrew
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130 4. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Zionisten, als Juden, und wollen Erez Israel als Krönung unserer nationalen Bestrebungen, wir wollen, dass das Volk das Recht hat, überall, wo es dazu die objektiven Möglichkeiten hat, national zu leben, und der Staat soll ihnen das garantieren. Wir waren es, die auf der Friedenskonferenz für die lebenden jüdischen Volksmassen Minderheitsrechte verlangt haben, in derselben Zeit, wo wir das Recht auf Palästina forderten. Das können jene nicht verstehen und deshalb haben sie Furcht vor dem zionistischen Gedanken, vor dem Zusammenhang, vor der organischen Verbundenheit Erez Israels mit der Galuth. Auf der Aktionskomiteesitzung in Berlin wurde der Wunsch ausgesprochen, dass von diesem XVI. Kongress ein grosses, erfrischendes, befreiendes zionistisches Wort ausgehen möge, so wie einst von Herzl die Parole „Judenstaat** ausgegeben wurde. Alle waren damit einverstanden. Wir haben dieses Wort von Dr. Ruppin in seinem ideologischen Referate bekommen. Dr. Ruppin hat die jüdische Wirklichkeit analysiert. Er hat es als Zionist getan, er kann nicht anders. Aber er hat dabei die Kämpfe übersehen, die im Galuth vom neuen jüdischen Geschlecht ausgefochten werden. Es ist ein grosser Unterschied zwischen dem Zionismus vor dem Kriege und dem jetzigen. Jetzt führen Juden hartnäckige Kämpfe überall, wo der Zionismus eingewurzelt ist, da er den Juden befreite und ihn sowie auch den Sozialismus für sein Recht zu kämpfen lehrte. Ruppin formuliert unser Ideal. Auf der einen Seite ist die Wirklichkeit, der Untergang des Volkes, und auf der anderen das Aufleben des Volkes in Erez Israel. Dr. Ruppin kann recht haben, es wird vielleicht eine grosse Leistung sein, wenn man in 30 bis 50 Jahren eine Million Juden nach Palästina gebracht hat; aber ist das ein Ideal, durch das man die Jugend mitreissen, Menschen gewinnen, ein Volk beleben und zu gewaltigen Anstrengungen anfeuern kann? Das ist eine Herabsetzung des Zionismus. Eine Million Juden in Palästina steht 17 Millionen gegenüber. Wenn ich ein nichtzionistischer Sozialist oder Kommunist wäre, dann brauchte ich nur diese beiden Ziffern zu nehmen, um den Zionismus totzuschlagen. In den ersten Jahren des Zionismus, als zwischen dem politischen Zionismus und Achad Haam eine Auseinandersetzung stattfand, prägte letzterer den Satz: „Wie das Leid, so der Lohn.** Er fragte: Wird denn ein kleiner unbedeutender Staat die Antwort auf das tausendjährige Leiden des jüdischen Volkes sein? Wenn wir hören, wie Ruppin die zionistische Ideologie deutet, muss ein jeder Zionist dieselbe Frage aufwerfen. (Zwischenruf: Was hat er aber auch bezüglich der Araber gesagt?) Diesbezüglich ist es besser, zu schweigen. Es gibt eben Fragen, die man lieber nicht behandelt, wenn man schwach ist. In Zeiten der Schwäche gebraucht man schöne Worte, die man aber nachher, wenn man stark wird, vergisst. Dann werden wir gemeinsam mit Ruppin gegen den Chauvinismus kämpfen. Wir glauben, dass es viel klüger sei, jetzt zu schweigen und keine Erklärungen abzugeben, an die man nicht glaubt.