Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 267)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum 129 ein Mittel oder ein Zweck sei. Herzl hat gesagt, dass er ein Mittel sei und dem Endziel unterworfen werden müsse. Die „Chowewe Zion*' haben ihn mit dem Endziel verwechselt. Wir kommen heute zurück zu ihrer Auffassung. Freilich. Es heisst bei uns nicht mehr „Jischuw in Erez Israel", es heisst die „Aufbauarbeit in Erez Israel". Das ist aber nur ein quantitativer Unterschied, ein Unterschied der Mittel und der Stärke der Arbeit, aber im Grunde genommen haben wir wieder das Mittel dem Endziel vorangestellt. Dabei nehmen wir keine Rücksicht darauf, was mit dem jüdischen Volke im Galuth geschieht. Das Galuth ist für uns eigentlich kein Kräftereservoir, sondern ein Exploitationsgebiet, auf dem wir Raubwirtschaft und keine rationelle Wirtschaft treiben. Goldberg hat das heute schon in seiner Art gesagt. Man hat gesagt: Wir werden die anderen zuziehen, sie werden uns von der Hauptsorge, die Geldmittel zu finden, befreien und uns die Möglichkeit geben, den Jischuw aufzubauen. Und deshalb haben wir auf die Umwälzung, die wir überall schon im Begriffe sind, herbeizuführen, verzichtet, wir sind darauf eingegangen, dass diese Wohltäter wieder von dem Zwang der Wählen und der Unterwerfung unter die Souveränität des Volkes befreit werden. Der unglücklichste Augenblick war, als Weizmann, der Vertreter der Renaissance-Bewegung des jüdischen Volkes, der Bote der Befreiungsbewegung, jener Bewegung, die die Macht des jüdischen Volkslebens an sich reissen sollte, sagte: Die andern, die Vertreter des alten Regimes im jüdischen Leben, sind auch Führer im jüdischen Volksleben. Entweder ist Weizmann der Führer des jüdischen Volkes oder Marshall ist es. Wenn Weizmann es ist, kann es Marshall nicht sein. Aber nicht nur das spielt eine Rolle. Auch der Staatsgedanke im jüdiechen Volk, in der zionistischen Bewegung wurde in den Hintergrund gedrängt. Man spricht schon nicht mehr darüber. Man kann auch nicht darüber sprechen mit Menschen, für die dieser Gedanke im Gegensatz steht zu allem, was ihr Leben erfüllt. Wenn die Nichtzionisten in Amerika uns fragen: Meint ihr, dass der Jischuw in Erez Israel das jüdische Leben im Galuth bestimmen wird? dann neigen wir schon dazu, zu antworten. Ganz und gar nicht, das meinen wir gar nicht. Von einem Zentrum, welches das jüdische Leben im Galuth bestimmt, reden wir nicht mehr. Selbst die Chowewe Zion in der Zeit ihres Niederganges, von Achad Haara gar nicht zu reden, haben immer von einem geistigen Zentrum gesprochen, haben nicht zugegeben, dass Erez Israel nicht Zentrum, Herz, Kopf werde, eine jüdische Gemeinschaft, mit der sich alle jene zersprengten Teile des Judentums vereinigen werden, die als nationale Juden leben wollen. Aber die Nichtzionisten, mit denen wir uns vereinigen, gehen nach dem Grundsatz vor. Cuius regio eius natio. Leben Juden unter amerikanischen Gesetzen, dann sind sie Amerikaner und nicht Juden. Leben sie unter polnischen Gesetzen, dann sind sie Polen und nicht Juden. Wir aber leben wie