Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 266)
- Language
- German, English, Hebrew
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128 4. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Es ist keine neue Losung. Auch Herzl hat „herangezogen", doch mit anderer Methode: er hat annektiert, hat inkorporiert. Die durch ihn Herangezogenen, welche er oft nicht nach ihrer Gesinnung fragte, haben sich der Souveränität der Volksorganisation gefügt. Im Laufe der Zeit wurden einige von ihnen gute Zionisten, einige sind abgefallen, weil sie eben keine guten Zionisten sein konnten. Unsere Methode des Heranziehens aber ist auf dem Prinzip des Bündnisses, der Partnerschaft aufgebaut. Wir sagten uns; Es gibt Kreise von Nichtzionisten, die nicht glauben, dass es eine einzige Lösung der Judenfrage gibt, dass es ein jüdisches Volk gibt, die nicht die Befreiung des jüdischen Volkes wollen, sondern bloss wünschen, dass es den Juden gut geht, wie es Ihnen gut geht. Zur Befriedigung ihres jüdischen Gefühls genügt es, dass sie manchmal in dem jüdischen Winkel ihres Lebens über das Schicksal der Juden seufzen und ihnen Mitleidsgaben reichen. Fremd ist ihnen das Befreiungsideal des Volkes. Gegen eine Ansiedelung der Juden in Palästina waren sie eigentlich nie. Unter der türkischen Herrschaft glaubten sie nur nicht an die Möglichkeit, in Erez Israel etwas Vernünftiges zu schaffen. Wir, Ussischkin und andere, unternahmen damals das Wagnis, von dem Grundsatz ausgehend: Credo quia absurdum est, unter dem Drange nach Erlösung und Befreiung, in dem Glauben, dass wir fähig seien, Wunder zu schaffen. Wir konnten nicht anders, auch wenn uns die ganze Welt für Narren hielt. Das war der Zionismus. Die anderen aber warnten. Wenn eine gute zivilisierte Regierung nach Erez Israel kommt, haben sie schon damals gesagt, so haben sie gar nichts dagegen, sie sind damit einverstanden, dass in Palästina 200 000 oder auch 500 000 Juden leben. Es ist doch nicht schlimmer als Argentinien. Sie hatten auch nichts dagegen, dass diese Juden dort Hebräisch, die Sprache der Bibel, sprechen, mit der man vor der Welt Staat machen kann; sie ist doch alt und adelig. Aber das ist doch nicht die Sache des jüdischen Volkes, von dem w i r sprechen, seiner Befreiung und Wiederbelebung. Warum sollten sie länger gegen einen Zionismus sein, der dies alles versteckt und aufgibt, gegen einen Jischuw sein? So ist eine gemeinsame Plattform geschaffen worden. Wir haben alles aufgegeben, wir haben aufgehört, davon zu reden, dass Erez Israel das einzige Land ist, in welchem ein freies jüdisches Gemeinwesen auferstehen kann. Wir haben aufgehört, zu verkünden, dass der Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage ist. Herr Marshall soll einen Vertreter der Zionistischen Organisation zu sich gerufen und gefragt haben: „Was haben eure Zionisten in Südafrika über die Krimkolönisation gesagt? Dass sie nichts wert ist? Ich bin mit Erez Israel einverstanden, und ihr müsst mit der Krim einverstanden sein.** (Zwischenruf; Das stimmt nicht.) Beleidigt und erniedrigt werdet ihr noch einmal zu uns kommen und bei uns euren Stolz suchen! Zwischen Zionismus und Chibbath Zion war immer ein prinzipieller Kampf, der auf der Beantwortung der Frage beruhte, ob der Jischuw