Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 265)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum 127 wurden die Führer der Juden, sondern der kleine Privatdozent aus Genf und der Redakteur der hebräischen Tageszeitung in Warschau. Das geschah kraft des Vertrauens der jüdischen Volksmassen. Wir haben sie dazu gemacht. Die anderen aber, welche sich fast mit zynischer Verachtung zur Demokratie und zu demokratischen Einrichtungen verhielten, blieben bei ihrer Macht nur noch auf einem Gebiet, auf dem der Philanthropie. Aber auch dies hätte von uns eingenommen werden können, wenn wir es verstanden hätten und wenn wir den Zionismus nicht bloss vom Standpunkt des Jischuw in Erez Israel, sondern vom Standpunkt des gesamten jüdischen Volkslebens angesehen hätten. Die Zionistische Organisation hat die Bewegung zu einer mächtigen Volksbewegung gemacht. Sie schuf das, was Herzl den „Staat unterwegs'* nannte. Nach dem Kriege haben wir wirklich die mächtige zionistische Volksorganisation als den Staat unterwegs organisiert und geführt, noch bevor der jüdische Staat in Erez Israel Wirklichkeit werden konnte. Die Zionistische Organisation als Staat unterwegs übernahm staatliche Funktionen in Erez Israel sowohl wie in der Galuth. Wir Zionisten wurden die Träger des jüdischen Staatsgedankens überall. Wir gingen gleich an die Arbeit, die Fundamente des künftigen jüdischen Staates in Palästina zu schaffen wie auch die Juden, insbesondere dort, wo sie in grossen Massen leben, auf neuen nationalen Grundlagen zu organisieren. Aber in der zionistischen Geschichte kommen ebenso wie in der Geschichte anderer Volksbewegungen Zeiten des Aufstiegs und Zeiten des Rückgangs. Wir stiessen auf grosse Widerstände und drangen nicht sofort durch. Und da sahen die „Wohltäter", die Philanthropen, dass die widerspenstigen Massen gar nicht so stark seien, wie sie gedacht hatten. Und wir sahen anderseits, dass das Tempo der Entwicklung nicht so schnell war, wie wir es uns vorgestellt hatten, wie wir es auch brauchten und wollten, im Galuth sowohl wie in Erez Israel. Und in diesem Momente entstand die unglückliche Losung, die Losung der Ungeduld, der Enttäuschung: wir können nicht warten, sonst kommt die Katastrophe. Diese Losung kam aus wehem, gebrochenem Herzen, ebenso wie einstmals die Losung von Uganda aus gebrochenem Herzen und Verzweiflung gekommen war. Und daraus entstand die „Heranziehungspolitik". Wir erkannten, dass die Mittel zum Bau, die uns zur Verfügung stehen, bei weitem nicht ausreichten, dass noch gewaltige Anstrengungen notwendig seien, um die Machtmittel des jüdischen Volkes zu erfassen und sie dem Aufbauwerke in Palästina dienstbar zu machen. Das aber erfordert Kämpfe, verlangt die Schaffung günstiger politischer Bedingungen und geht nicht von heute auf morgen. Wir aber hatten keine Ausdauer und keine Geduld. Unseren Führern krampft sich das Herz zusammen, wenn sie sehen, dass Kampf Opfer und Ausdauer fordert, und sie vergessen, dass es eigentlich darum geht, den Kampf zu gewinnen. So entstand die Losung: Wir können nicht im ersten Anlauf erobern, daher müssen wir „heranziehen".