Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 239)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 101 handeln, im grossen und ganzen zu sagen, wir stimmen im Rat der Agency als eine geschlossene Fraktion unter Fraktionszwang. Das wäre eine Haltung, die sicher vom Standpunkt der Entwicklung der Dinge abzulehnen ist. Aber über eines können und dürfen wir doch nicht hinwegsehen. Wir alle hoffen, dass im Laufe der Zeit innerhalb der Agency eine Entwicklung vor sich gehen wird. Ich glaube, meine Damen und Herren, dass diese Entwicklung in der Zukunft in der Richtung einer fortschreitenden Demokratisierung der Agency gehen wird. Und dann kann vielleicht auch ein Tag kommen, wo alle Vorsichtsmassnahmen überflüssig werden. Aber wir dürfen doch heute nicht vergessen, dass in der Agency auf der einen Seite des Hauses die gewählten und beauftragten Abgeordneten einer grossen demokratischen Volksorganisation sitzen, und auf der anderen Seite unsere Partner, die nach bestem Wissen und Gewissen mit den besten Absichten unsere Partner geworden sind, die aber doch nur in ihrem eigenen Namen sprechen. Wir müssen daraus den Schluss ziehen, dass es doch Fälle geben kann, wo die Geschlossenheit der zionistischen Vertretung in der Agency eine Notwendigkeit sein kann und sein wird. Und ich glaube, dass dieses Problem Ihrer ernsten Aufmerksamkeit nicht entgehen soll. Und das zweite und letzte: Die Zionistische Organisation ausserhalb der Agency. Ich will mich in einem Wort auf einen Vorschlag beziehen, zu dem wir auf dem vorigen Kongress die Initiative ergriffen haben und der von der Exekutive gebilligt, aber nicht ausgeführt wurde. Es ist das der Vorschlag in bezug auf die interfraktionellen zionistischen Organisationen. Ich glaube nicht, dass wir darin weiterkommen werden, solange diese Frage so bequem dem freien Entschluss der verschiedenen Gruppen überlassen bleibt. Es tritt dann das ein, was man oft auch bei freiwilligen Schiedsverhandlungen im Konflikt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern bemerken kann. Die Parteien stehen fanatischer und verstimmter vom Tisch auf, als sie sich an den Tisch setzten. Es ist nämlich gar nicht so, wie Prof. Brodetsky es dargestellt hat, dass nämlich die bösen Flügel es gerade nicht wollten und dass die Patrioten der Mitte durch sie an ihren guten Absichten gehindert wurden. Es gibt viele Länder, in denen zum Beispiel meine Partei Hitachduth bereit gestanden hat zur Zusammenarbeit — und die Parteifanatiker der Mitte, die geschworenen Patriotei, einen solchen Zusammenschluss verhindert haben. Ich komme gerade aus einem solchen Lande, aus den Vereinigten Staaten, wo ich aus eigenem Augenschein weiss, v/ie man jedes Angebot zu einem Zusammenschluss der zionistischen Kräfte in Amerika aus Engherzigkeit, Parteifanatismus und Kleinlichkeit verschleppt und zu Tode verurteilt hat, wo man sich über das Gruppeninteresse der allgemeinen Zionisten nicht erheben konnte. Wenn der Kongress etwas Ernstes in dieser wichtigen Frage zionistischer Reorganisation unternehmen will, so muss er den interfraktionellen Zusammenschluss der Zionisten in allen Ländern über die Gruppenautonomie