Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 231)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 93 Und nun, da ich in der Zeit sehr beschränkt bin, will ich kurz einige Fragen der Politik streifen und als erste Frage ein Problem berühren, das bisher merkwürdigerweise nicht mit aller notwendigen Offenheit von dieser Tribüne berührt worden ist, und das ist das Problem Russland. Meine Damen und Herren, wieder sind zwei Jahre vergangen und diese zwei Jahre sind beinahe schon die letzten in einer Reihe von zehn Jahren, wo unsere Bewegung in Russland Verfolgungen, Einkerkerungen, Verbannungen, Deportationen, Einsperrungen in Poüt-Isolatoren ausgesetzt ist. Aber diese einzigartige tragische Lage kann nicht länger mit Resolutionen beantwortet werden. Wir müssen uns entschliessen, diese Frage aus der Ebene der feierlichen Proteste, der formellen Sitzungen im Dämmerlicht der offiziellen Sentimentalität herauszunehmen und sie ganz offen und deutlich in die Ebene der politischen Aktion und der Aufklärung der öffentlichen Meinung der Welt zu übertragen. (Beifall. Zwischenruf Jean Fischer.) Es ist doch ganz sinnlos, aus dem Argument, dass unsere politische Aktion in diesem Falle vielleicht keinen leichten Erfolg haben dürfte, aus dieser Tatsache die Schlussfolgerung zu ziehen, dass jetzt Herr Jean Fischer und die gesamte zionistische Welt aller weiteren Mühe enthoben ist und einschlafen kann und das Gewissen unserer Bewegung, die kämpfende zionistische Bewegung in Russland, einfach vergessen kann. (Zwischenrufe.) Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren, in Amerika habe ich folgendes erlebt. Es ist ein Jude nach Amerika gekommen, ein Nichtzionist, der niemals mit unserer Organisation etwas zu tun gehabt hat, ein Führer der linken Sozialrevolutionäre in Russland und Minister im ersten Rat der Volksbeauftragten. Dieser Führer der linken Sozialrevolutionäre hat in der amerikanischen jüdischen Presse und in der jüdischen Oeffentlichkeit gesagt und geschrieben, er von seinem nichtzionistischen Standpunkt, dass die zionistische Jugend, die heute in der Sowjet-Union unterirdisch arbeitet, die letzte Gruppe geblieben ist, die überhaupt noch einen Kampf um eine gesellschaftliche Bewegung, überhaupt noch einen Kampf um die Geister der jüdischen Jugend und der jüdischen Volksmassen zu führen wagt. E r hat das sagen müssen, und ich habe mich geschämt über das schlafende Gewissen unserer Bewegung, selbst wenn ich nicht sicher war, dass wir durch eine starke politische Aktion bald etwas Praktisches erreichen können. Sehr geehrter Kongress! Ich habe aus der Ueberzeugung heraus, dass Amerika, die Vereinigten Staaten von Amerika, diejenige Basis ist, von der aus eine solche politische Aktion am meisten Erfolg verspricht, versucht, teilweise mit dem amerikanisch-jüdischen Kongress, teilweise auf anderen politischen Wegen, eine solche Aktion einzuleiten. Ich habe, nachdem mein Interview mit Senator Borah stattgefunden hatte, mich an die Londoner Exekutive gewandt und ihr gesagt: Ich will nur im Rahmsn des Exekutivplanes arbeiten. Jetzt ist die Zeit, wo Ihr etwas tun könnt. Und die Exekutive hat mir im Jahre 1928 geantwortet, dass sie gerade