Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 230)
- Language
- German, English, Hebrew
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92 3. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Vertrag abgeschlossen, wonach der Keren Hajessod sich verpflichtet, £ 350 000 in Aktien und in bar dem Jewish Colonial Trust und der Anglo-Palestine Co. zur Verfügung zu stellen. Auf Grund dieses Vertrages hat der Keren Hajessod bereits 50 000 Aktien der Palestine Electric Corporation ä £ 1.— und 40 000 Aktien der General Mortgage Bank a £ 1.— auf den Namen der Anglo-Palestine Co. übertragen.'* Es ergibt sich also, dass 350 000 Pfund, und sei es auch zu den besten Zwecken, auf dem Wege einer rein administrativen Verfügung, ohne Beschluss der verfassungsmässigen Körperschaften, in neue Hände übergegangen und der Kompetenz des Kongresses entzogen worden sind. Welche Instanz hat eine so wichtige Aktion autorisiert? Wie steht es da mit dem System der geordneten und gesetzmässigen Verwaltung der Exekutive? Am meisten geschmerzt hat mich damals das dritte Argument, das Reden von der Vertrauenskrisis. Man will der jüdischen Oeffentlichkeit einreden, dass wir in der Bewegung Staatsbürger zweiter Klasse sind, die nicht das volle und ganze Vertrauen der jüdischen Welt besitzen. Wir, die wir die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina vertreten, die die Grundlage des jüdischen Palästina geschaffen haben, die wir für die Ueberzeugung gekämpft haben, der jüdische Arbeiter habe ein Vaterland und solle sich als gleichberechtigter Teil dem werdenden Gemeinwesen in Palästina einordnen, wir sollten weniger des Vertrauens der jüdischen Oeffentlichkeit würdig sein, die Geschicke des Zionismus zu leiten, als irgend eine andere Gruppe! Wie sieht es nun mit dieser Vertrauenskrise aus? Es hat sich nichts davon gezeigt, dass diese Vertrauenskrisis behoben worden wäre. Ich weiss ganz genau abzuschätzen, wie schwer es ist, unser Budget aus den Fonds zu decken, ich weiss, dass die Schwierigkeiten gar nicht damit zusammenhängen, ob Vertreter der Arbeiterschaft oder andere Gruppen in der Exekutive sitzen. Das hängt mit ganz anderen Zuständen zusammen, mit ökonomischen und psychologischen Zuständen unter den Juden in den verschiedenen Ländern, besonders in Amerika, mit dem besseren oder schlechteren Zustand unseres Apparats und anderem. Das hat man uns aber als Masstab gegeben: das Budget. Nun, das Budget hat während dieser Jahre traurig, trauriger als je ausgesehen. Ich sage das nicht, ich bin nicht wahnwitzig genug, das mit Triumph zu sagen. Aber es zeigt nur, wie gewissenlos das Wort von der Vertrauenskrisis war. Ich sage, dass man für die Zukunft ganz vorsichtig sein soll mit solchen fanatischen Schlagworten. Wenn von einer Vertrauenskrise gesprochen werden kann, so befindet sich die gegenwärtige Exekutive in diesem Kongress nach zwei Jahren ohne Initiative, ohne konstruktives Programm in einer sehr schweren Vertrauenskrise. (Beifall links.)