Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ruppin 49 viel grössere Kraft inne, sich durchzusetzen. Ich denke, es ist kein Traum, dass von hier aus einmal eine Erneuerung des religiösen Lebens auch in der Diaspora ausgehen wird- Nichts ist so sehr geeignet, Menschen einander nahe zu bringen als Kampfgenossenschaft, als das gemeinsame Wirken für eine schwere, aber hohe Aufgabe. Indem Juden aus allen Schichten und Ländern sich am Aufbau Palästinas beteiligen, fördern sie nicht nur die Errichtung der nationalen jüdischen Heimstätte, sondern sie schmieden auch neue Bande für den Zusammenhalt der Juden in der Diaspora selbst. So ist die Arbeit für Palästina eine Arbeit, die zweifachen Lohn bringt. Das Wunder der Wiederauf erstehunfe der hebräischen Sprache in Palästina, das Erscheinen einer reichhaltigen hebräischen Literatur, das hebräische Schulwesen mit der hebräischen Universität an seiner Spitze, werden in der Diaspora das Interesse für die hebräische Sprache beleben. Nichts ist aber mehr geeignet, den Zusammenhang mit dem Judentum zu stärken, als eine, wenn auch nur fragmentarische Kenntnis des Hebräischen. Es ist kein Zufall, dass die kleinen jüdischen Einwanderergruppen, die in der letzten Zeit in südamerikanische Länder gekommen sind, ebenso wie isolierte jüdische Gruppen in europäischen Ländern, zum Beispiel in Finnland und in Lettland, hebräische Kindergärten und Schulen errichten und Lehrer aus Palästina berufen. Sie fühlen instinktiv, dass der Anschluss an Palästina und die hebräische Sprache für sie der beste Schutz gegen Entjudung ist. Darüber hinaus werden Tausende von Juden in der Diaspora durch Reisen nach Palästina oder als Studierende an der hebräischen Universität Sendboten eines lebendigen Judentums in der Diaspora werden. Wenn wir sehen, welch tiefe seelische Wirkung das jüdische Leben in Palästina trotz seines kleinen Umfanges Jahr für Jahr auf jüdische Besucher ausübt, die sich noch einen Rest jüdischen Gefühls erhalten haben, so ist von einem grössern jüdischen Palästina, in dem die jetzigen Keime zum Reifen gekommen sind, ungeheuer viel für die Stärkung des jüdischen Bewusstseins in der Diaspora zu erwarten. Palästina und die Galuth In Palästina können die Juden auf der Grundlage der hebräischen Sprache und einer Volkswirtschaft, in der alle Zweige von Juden besetzt sind, eine eigene jüdische Kultur schaffen. Sie wird als ein neues Glied in den Chor der nationalen Kulturen eintreten und die Weltkultur um eine neue Note bereichern. In ihr wird sich altes Erbgut des Orients mit den wissenschaftlichen Errungenschaften des Abendlandes zu einer Synthese vereinigen. Sie kann vielleicht zur Brücke zwischen diesen beiden Welten werden und eine Aufgabe lösen, an der Jahrhunderte sich vergeblich abmühten.